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Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer – Hörspiel zum Kinofilm

Direkt vor dem Verfassungsdatum vorliegender Rezension habe ich mich das Hörbuch zu „Jim Knopf“ zu Gemüte geführt, welches von Christoph Maria Herbst vertont wurde. Direkt danach folgte also das Filmhörspiel zu dem gleichnamigen Film, der dieses Jahr in den deutschen Kinos gestartet ist und die erste Realverfilmung der Vorlage darstellt. Wie mich dieses Hörspiel – im direkten Vergleich zur Version von Ende – überzeugen konnte und mehr in der folgenden Rezension.

Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer

– Hörspiel zum Kinofilm

D 2018, 1 CD, Laufzeit: 74 Minuten

Kinderbuch | Fantasy | Abenteuer

Autor:

Michael Ende (Buchvorlage)

Dirk Ahner (Drehbuch)

Sebastian Niemann (Drehbuch)

Andrew Birkin (Drehbuch)

Sprecher:

Thomas Karallus (Erzähler)

Finn Posthumus (Jim Knopf)

Henning Baum (Lukas)

Annette Frier (Frau Waas)

Uwe Ochsenknecht (König Alfons)

Christoph Maria Herbst (Herr Ärmel)

Milan Peschel (Herr Tur Tur)

u.v.m.

Verlag:

Silberfisch (Hörbuch Hamburg Verlag)

ISBN:

978-3-86742-391-5

Inhalt:

Das Original-Hörspiel zum Kinostart am 29. März 2018

Jim Knopf kommt auf die große Kinoleinwand! Die Filmadaption des Kinderbuch-Klassikers von Michael Ende ist eine Realverfilmung mit aufwendigem Setting, eigens komponierter Musik und einer Besetzung, die sich sehen lässt: Neben Henning Baum als Lukas und Solomon Gordon als Jim sind namhafte Schauspieler wie Annette Frier, Uwe Ochsenknecht, Christoph Maria Herbst, Judy Winter, Milan Peschel, Rick Kavanian und Michael Bully Herbig mit dabei.

Rezension:

„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ist – und wen hierzu meine ausführlichere Meinung interessiert, der sollte sich meine Rezension zur Buchvorlage bzw. deren Hörbuchversion von M. Ende anschauen – ein kindliches Abenteuer, das es in sich hat. Kaum ein Buch steckt so voller Herzensgüte wie das vorliegende Werk. Dass Diversität unter Menschen nicht schlimm und sogar förderswert ist, das beweist der Autor mit seinen vielschichtigen Figuren.

Nun wurde dieser Kinderbuchklassiker zum ersten Mal real verfilmt. Hierzulande lief er sogar recht erfolgreich an den Kinokassen. Kritiken dazu fallen gemischt aus – viele finden, dass er die Atmosphäre der Romanvorlage gut trifft, andere meinen, dass Ensemble könne die Magie nicht glaubwürdig rüberbringen.

Wenn man mich fragt – und ich habe lediglich Kenntnisse über das Hörspiel, also nur akustische Eindrücke – dann kann das Hörbuch nur bedingt überzeugen. Es gibt nämlich einige Dinge, wegen denen ich persönlich das gesprochene Werk von Herbst bevorzugen würde als die vorliegende Filmversion. Im Folgenden möchte ich dir diese unterbreiten.

Der zugrundeliegende Film dauert in seiner vollständigen Lauflänge 110 Minuten, dieses Hörspiel jedoch nur 74 Minuten, d.h. deutlich weniger. Im Film lässt man sich offensichtlich um einiges mehr Zeit, die Geschichte rund um die beiden Lokführer zu erzählen, als im Hörspiel. Genau das merkt man leider auch. Handlungsstränge, die in der Buchvorlage eigene Spannungshöhepunkte darstellten, werden hier innerhalb eines kurzen Dialoges bzw. einer Erzählersequenz stichpunktartig hintereinander aufgelistet, ohne dass hier jegliche Spannung entstehen kann. Damit nimmt sich das Hörspiel selbst seine dramaturgischen Fähigkeiten.

Ausschließlich die sprecherischen Fähigkeiten der aktiven Schauspieler betrachtend, kann das Filmhörspiel nur bedingt überzeugen. Stimmen, die von erwachsenen und oftmals auch erfahrenen Akteuren wie M. Bully Herbig, M. Peschel oder auch C. Maria Herbst stammen, wirken um einiges professioneller und glaubwürdiger als die der Kinder. Figuren, wie z.B. Ping Pong, agieren in derart monotoner und unlebendiger Sprechmelodie, das man als Zuhörer an einigen Stellen tatsächlich rätselt, ob im am Filmset nicht abgelesen wurde.

Dem Erzähler Thomas Karallus kann ich jedoch an dieser Stelle einen guten Job bescheinigen. Er führt seine Hörerschar durch das Abenteuer und seine tiefe, männliche Stimme fügt sich gut in das Szenario ein. Mit nicht zu vielen Worten erklärt er die Umstände, die man der Tonspur allein nicht entnehmen kann.

Erfreulich ist auch, dass sich der Film und damit auch das Hörspiel sich erstaunlich nah an seine Vorlage gehalten haben. Zahlreiche Anekdoten wurden aus dem Roman übernommen bzw. leicht abgeändert. Die Handschrift des Autors ist jedoch unbestreitbar erkenntlich.

Einen weiteren positiven Aspekt, den ich als leidenschaftlicher Musikhörer und Musiker anbringen möchte, ist die Filmmusik, die gelegentlich unter den Sprecherstimmen „hervorlugt“. Ich spreche dem Komponisten dieser, Ralf Wengenmayr, insofern ein großes Lob aus, als dass er es gelungen geschafft hat, das Thema der Titelmelodie „Eine Insel mit zwei Bergen“ orchestral zu vertonen und ein überzeugendes Arrangement entstanden ist.

Wenn man mich nach Beendigung fragen würde, ob ich das Hörspiel weiterempfehlen kann und ob ich eher das Filmhörspiel oder das vorgetragene Hörbuch bevorzugen würde, dann würde meine Antwort folgendermaßen lauten: Ja, ich kann es trotz einiger Bemängelungen getrost weiterempfehlen, denn auch hier ist ein kurzweiliges Abenteuer garantiert. Der originale Geist, die Fülle an magischen und kreativen Ideen und die Komplexität des Werkes von 1960 bleibt in dem Hörbuch von Christoph Maria Herbst zweifelsohne stärker erhalten, weshalb ich dieses Produkt bevorzugen würde.

Fazit:

„Jim Knopf und Lukas der Lokomotivführer“ ist ein kurzweiliges Hörabenteuer, das einige Aspekte der Buchvorlage stimmlich und überwiegend überzeugend vertont.

Gerne vergebe ich drei von fünf Sternen.

Genrewertung: 6,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 5,5 von 10 Punkten

Danke an den Hörbuch Hamburg Verlag zur Bereitstellung des Rezensionsexemplares. Die Rechte an dem verwendeten Coverbild liegen bei eben diesem. ​

#Kinderbuch #Fantasy #Abenteuer

Johannes Streb

Die Begeisterung für die Medienwelt begeistert mich schon seit meiner Kindheit: immer die Nase in einem Buch, einen Kopfhörer im Ohr, die Finger auf den Tasten. Seit mehreren Jahren nun führe ich den Blog "Der Medienblogger", auf dem ich bereits über 300 Rezensionen zu Buch, Film und Serie veröffentlicht habe. Dieses Jahr startete ich mit einer Schweizer Bloggerin den Podcast "findichauch." als feuilletonistischen Dialog über zeitgenössische Literatur. Zudem spiele ich leidenschaftlich Theater und bin großer Fan von Lady Gaga und dem Eurovision Song Contest.

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