Startseite » Tage wie diese

Tage wie diese

Es war einmal ein Junge mit gerade einmal sechzehn Jahren. Er hieß Johannes und las gerne. Eines frühen Ferienmorgens beschloss er, sich ein Hörbuch anhören zu wählte. Danach ließ er seinen Blick über das große Regal schweifen, das seine stolze CD-Sammlung präsentierte – und er traf eine Wahl. Mitten in seinen Sommerferien legte er sich die erste Disc zu „Tage wie diese“, ein Buch bestehend aus drei Weihnachtsgeschichten, in die Anlage und lauschte. Wie es ihm dabei ergangen ist, erfährst du in der folgenden Rezension.

Für alle Fragenden: Das Buch, und somit auch das Hörbuch, ist in drei Geschichten aufgegliedert, die es beinhaltet: „Der Jubilee-Express“, „Ein cheer unglaubliches Weihnachtswunder“ und „Der Schutzheilige der Schweine“. Diese stammen nicht nur von unterschiedlichen Autoren, sondern wurden dementsprechend auch von verschiedenen Sprechern vertont. Infolgedessen gestaltet sich diese Rezension als etwas kompliziert – aber wollen wir die Hoffnung noch nicht aufgeben.

Die drei Geschichten haben miteinander wenig zu tun – verbinden sich aber auf magische Art und Weise miteinander, dazu möchte ich aber nicht zu viel verraten. Die Geschichten sind mit ihrer jeweils über achtzig Minuten recht kurzweilig anzuhören und erfordern nicht viel Aufmerksamkeit beim Hören, sondern erlauben parallele Arbeit mit halber Konzentration weiterhin. Die Kurzgeschichten haben mir jedoch unterschiedlich gut gefallen, weshalb es mir falsch vorkommen würde, sie unter einen Hut zu packen und sofort einen generellen Leseeindruck zu formulieren. Aus diesem Grund gehe ich auf jede einzelne mit ein paar Sätzen kurz ein.

„Der Jubilee-Express“, und dabei gehe ich auch sofort auf die Sprecherleistung mit ein, ist und bleibt mein Favorit der drei Geschichten. Die Protagonistin ist einfach herrlich verkorkst, sodass es eine wahre Freude ist, sie auf ihrem winterlichen Abenteuer zu begleiten. Der Schreibstil von Maureen Johnson ist wunderbar komisch und witzig, während sie gelungen eine weihnachtliche Atmosphäre aufzubauen versteht. Da passt es nur wie die Faust aufs Auge, dass sich die Sprecherin Julia Meier in ihrer Leistung nur selbst übertrifft. Sie schafft es, die Protagonistin, wie sie im Buche steht, glaubwürdig und authentisch im Hörbuch zu vertreten, sodass man teilweise tatsächlich das Gefühl bekommt, man würde sich mit ihr unterhalten – und das ist verdammt unterhaltsam. Diese positiven Argumente täuschen vollkommen über eine weitgehend vorhersehbare Handlung hinweg und schaffen kurzweiliges Vergnügen.

„Ein cheer unglaubliches Weihnachtswunder“ von John Green hat mir dann leider schon weitaus weniger gut gefallen. Zwar ist auch die Sprecherleistung von Jacob Weigert wirklich nennenswert und sie ist es auch, die die zweite CD retten kann, aber die Handlung entpuppt sich als dämlich. Die Hauptfiguren sind sympathisch bis nörglig-nervig, und was ihre geistige Reife mit siebzehneinhalb Jahren betrifft, kann ich nur den Kopf schütteln. Da kann auch der nette Wortwitz im Titel nicht helfen. Vorhersehbare Handlung, naive Aktionen der Figuren, fragwürdige Thematik – all das sind Dinge, die mich an der zweiten Geschichte nicht überzeugen konnten.

„Der Schutzheilige der Schweine“ ist dann genau die Mitte zwischen der ersten und zweiten Geschichte. Ich finde es süß, wie am Ende alle drei Geschichten in einem Zusammentreffen miteinander verbunden werden, aber mir kam die Handlung über einige Stellen hinweg recht belanglos vor. Die Protagonistin und ihre innere Wandlung, die sie durchmacht, fand ich sympathisch und glaubwürdig, aber zum dritten Mal in Folge ein konstruiertes Happy End ist dann schon etwas anstrengend. Nennenswert ist die tolle Leistung der Sprecherin Leonie Landa allemal, denn auch sie schafft es, der Geschichte einen lebendigen und authentischen Touch zu verleihen.

Der vollständige Eindruck nach allen drei Kurzgeschichten ist befriedigend. Es ist schön, im Sommer ein wenig in weihnachtliche Nostalgie zu verfallen. Aber für ein richtiges Lese- bzw. Hörhighlight fehlt dem vorliegenden Werk zu viel. Dennoch glaube ich, dass das Hörbuch hier um einiges besser ist als die gedruckte Version, da die Leistungen der einzelnen Sprecher wirklich mehr als nennenswert sind. Sie schaffen es, dem Ganzen ein lebendiges und authentisches Flair zu geben, den die Buchvorlage nicht haben kann.

Wenn man mich also abschließend fragt, ob ich „Tage wie diese“ weiterempfehlen kann, dann bin ich in meiner Antwort geteilter Meinung. Wer jedoch in der Vorweihnachtszeit Lust auf ein kitschbeladenes, aber sehr gut gesprochenes Hörbuch hat, der sei hiermit gut beraten.

Gerne vergebe ich drei von fünf Sternen.

Genrewertung: 7/10 Punkte

Gesamtwertung: 5,5/10 Punkte

Darum geht’s in diesem Buch:

Am Abend vor Weihnachten erleben drei Jugendliche inmitten eines Schneesturms die Liebe auf den ersten und den zweiten Blick. Jubilee hat eigentlich einen „perfekten“ Freund, doch als ihr Zug im Schnee stecken bleibt, trifft sie einen Fremden, der sie zweifeln lässt. Währenddessen erkennt Tobin, dass die große Liebe manchmal ganz nah ist. Und Addie hofft, dass sie einen Fehler wiedergutmachen kann. Ausgerechnet an diesem Tag kommt ihr ein Minischwein in die Quere. Aber es ist Weihnachten – und da sollen doch bekanntlich Wunder geschehen. Drei romantische Geschichten von Maureen Johnson, John Green und Lauren Myracle über einen ganz besonderen Heiligabend, der alle Herzen höher schlagen lässt. Gefühlvoll und mit viel Humor gesprochen von Julia Meier, Jacob Weigert und Leonie Landa.

Das musst du wissen:

„Tage wie diese“

Einzelband

Genre: Jugendbuch, Liebesroman, Weihnachten

von John Green, Maureen Johnson und Lauren Myracle

gesprochen von Jacob Weigert, Julia Meier un d Leonie Landa

übersetzt aus dem Amerikanischen von Barbara Abedi

Laufzeit: ca. 255 Minuten

Erscheinungsdatum: 08.09.2018

Goya libre (Jumbo Verlag)

3 CDs

ISBN: 9 78-3833738036

Preis: 15,-€

Einen großen Dank geht an den Jumbo Verlag für die Bereitstellung des Rezensionsexemplars!

#Jugendbuch #Liebesroman #Weihnachten

Johannes Streb

Die Begeisterung für die Medienwelt begeistert mich schon seit meiner Kindheit: immer die Nase in einem Buch, einen Kopfhörer im Ohr, die Finger auf den Tasten. Seit mehreren Jahren nun führe ich den Blog "Der Medienblogger", auf dem ich bereits über 300 Rezensionen zu Buch, Film und Serie veröffentlicht habe. Dieses Jahr startete ich mit einer Schweizer Bloggerin den Podcast "findichauch." als feuilletonistischen Dialog über zeitgenössische Literatur. Zudem spiele ich leidenschaftlich Theater und bin großer Fan von Lady Gaga und dem Eurovision Song Contest.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zurück nach oben