3 Sterne Hörbuch

Tausend kleine Lügen

Jane flieht vor ihrer Vergangenheit. Sie hat es seit der Geburt ihres Sohnes vor fünf Jahren nirgendwo länger ausgehalten. Nun ist sie im idyllischen australischen Küstenstädtchen Pirriwee gestrandet und hat das Gefühl, endlich angekommen zu sein. Schnell schließt sie Freundschaft mit der lebhaften Madeline und der wunderschönen Celeste. Doch plötzlich geraten die drei Frauen in den Strudel von dunklen Geheimnissen, Lügen und Intrigen. Als dann bei einem Elternschulfest ein Mann tödlich verunglückt, stellt sich die Frage: War es ein wirklich nur ein Unfall?

Besonderheit mancher Bücher ist die Vielfältigkeit an Figuren, an deren Kontrasten und Unterschiedlichkeiten viele Autoren ergötzen. Sie nutzen dieses Grundgerüst, um Verbindungen, Geheimnisse und Intrigen untereinander zu spinnen, welche nach und nach auf einen bestimmten Auslöser folgend aufgedeckt werden.

Das Schema ist oftmals flächengleich, muss durch die Originalität und Plastizität der Protagonisten ausgeglichen werden, um einen abwechslungsreichen Lesefluss gewährleisten zu können.

Eine solche Art von Buch ist auch „Tausend kleine Lügen“ von Liane Moriarty, welches ich im Folgenden rezensieren möchte.

Gleich zu Beginn möchte ich kundtun, dass ich glaube, Bücher nach oben beschriebenem Muster eignen sich nur bedingt für eine Lesung. Dieser Eindruck machte sich jedenfalls bei mir breit, als ich in das Szenario von „Tausend kleine Lügen“ eingeführt worden war.

Die Geschichte ist wie ein Fluss, ein lebendiger zwar, bietet aber keine großen Höhepunkte, wodurch mich das Hörbuch nicht packen konnte, sondern es allenfalls angenehm fürs Hintergrundhören gewesen ist. Man wusste, dass man jederzeit abschalten konnte, ohne etwas von der Handlung zu verpassen, oder einfach einige Tracks überspringen – und das ist doch eigentlich das Schlimmste, was einem Buch passieren kann.

Ganz so dramatisch, wie man nach obigem Absatz vielleicht glauben mag, entpuppte sich das Hörbuch aber zum Glück nicht.

Der wichtigste Faktor bei diesem Genre sind die Figuren. Diese glänzen mit ihrer Vielschichtigkeit und oftmaligen Glaubwürdigkeit, verhalten sich aber mindestens genauso oft unglaublich nervig, stupide und spießig. Die Bewohner der Stadt sind dermaßen auf Oberflächlichkeiten fokussiert, dass man sie eindeutig als „geistig beschränkt“ einstufen dürfte. Außerdem etablieren sie sich zu Liebhabern von überzogener Hysterie, sodass dem Sprichwort „aus einer Mücke einen Elefanten macht“ ganz neue Grenzen gesetzt werden. Hier häufen sich die Klischees von aggressiven Rabenmüttern. Außerdem ziehen sie alle die gleiche scheinheilige Masche ab, indem sie sich und ihren Mitmenschen einreden, dass sie zu so etwas Schrecklichem, was sich in der Stadt abspielt, nie fähig wären. Die Einstufung ‚Schrecklich‘ liegt hier eindeutig im Auge des Betrachters.

Das Hörbuch ist nicht wirklich langweilig, aber innerlich musste ich mich dann leider noch mehrfach dabei ertappen, dass ich mir das Ende herbeigewünscht habe. Zudem wird die Geschichte v.a. zum Ende hin unnötig in die Länge gezogen, sodass sich der Eindruck stark macht, dass die Autorin nicht auf den Punkt kommt.

Die schillernde Vielfalt der Figuren jedoch wird durch das gekonnte Sprachspiel der Sprecherin untermalt, die es schafft, jeder Person mit einer eigenen Stimmlage und Redensweise Leben einzuhauchen.

Außerdem spricht das Buch einige tatsächlich wichtige Themen mit Redebedarf an und gibt diesen wirkliche Tiefe, da emotionale Verbundenheit zu den Figuren, die mit den Themen zu tun haben, aufgebaut werden kann und somit eine langfristige und richtige Botschaft zu übermitteln möglich war (um einige Beispiele zu nennen „häusliche Gewalt“, „Mobbing“).

„Tausend kleine Lügen“ ist ein Buch, gespickt mit vielschichtigen, aber unsympathisch hysterischen und oberflächlichen Figuren und einer Geschichte, die mit der Zeit in eintönigen Brei zerläuft. Es ist wahrlich kein schlechtes Buch, in der Konkurrenz zu anderen Vertretern jedoch versagt es.

Genrewertung: 6,5 / 10 Punkte

Gesamtwertung: 5 / 10 Punkte

3 Sterne

Das entspricht noch drei von fünf Sternen für „Tausend kleine Lügen“.

Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an den Lübbe Verlag!

‚Tausend kleine Lügen‘

Hörspiel, Drama

von Liane Moriarty

übersetzt von Sylvia Strasser

gelesen von Luise Helm

2 mp3-CDs

Laufzeit: ca. 804 Minuten

Lübbe Audio Verlag

Erscheinungsdatum: 16. Februar 2017

ISBN: 978-3785753675

#Drama