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Concrete Rose 🌹

Maverick ist 17. Er ist es gewohnt, dass sein Vater nicht für ihn da ist – denn der steckt wegen des Drogengeschäfts im Gangleben hinter Gittern. Mit seiner Mutter muss Mav den Haushalt alleine stemmen. Bis er eines Tages erfährt, dass er selbst Vater ist – und er droht in dieselben Muster der Rücksichtslosigkeit abzudriften… Das alles in Angie Thomas‘ drittem Roman »Concrete Rose«.

Exkurs in die Vergangenheit von Starrs Vater

Mit „The Hate U Give“ landete die US-amerikanische Schriftstellerin einen Weltbestseller und legte mit ihrer klugen Beobachtungsgabe den richtigen Roman zur richtigen Zeit vor. Starr fungierte als Bindeglied zwischen dem weißen, privilegierten Bürgertum und dem verarmten Viertel, in dem sie mit ihrer Familie lebt. Thomas führte mir glaubwürdig meine Machtposition vor die Augen, der ich mir zuvor nicht so bewusst war.

Concrete Rose Cover
Cover von „Concrete Rose“ (Angie Thomas, cbj)

Im vorliegenden Werk »Concrete Rose« begeben wir uns einige Jahre in die Vergangenheit, begleiten Starrs Vater Maverick durch das Ende seiner Jugend und die damit verbundenen Probleme. Schnell wurde ich warm mit dem Protagonisten – die Autorin hat ein Gespür dafür, ihr Publikum schnell in das Szenario zu involvieren.

»Concrete Rose« bietet vielschichtige Charaktere

Maverick ist eine sehr glaubwürdige und komplexe Figur. In seine Ängste, Sorgen und Hoffnungen erhalten wir als Leser*innen einen tiefgründigen und glaubwürdigen Einblick. Auch die restlichen Figuren sind gut ausgearbeitet und es bereitet große Freude, sie auf den etwa 400 Seiten Buchlänge zu begleiten.

Meine Lieblingsfigur: Mr. Wyatt, der Mav mit seinen aberklugen und weisen Räten zur Seite steht und der ihm bald als eine der wenigen Stützen in Leben noch bleibt.

Thomas stellt erneut authentischen Schreibstil unter Beweis

Angie Thomas hat einen angenehmen und flüssigen Schreibstil, der den Einstieg in die Handlung sehr einfach macht. Sie schreibt authentisch, trifft den Nerv der heutigen Jugend, ohne gekünstelt zu wirken. Man möchte das Buch schnell nicht mehr aus der Hand legen.

Zügig spitzen sich die Konflikte in »Concrete Rose« merklich zu. Die stetig wachsende Überforderung des Protagonisten überträgt sich wie die Nervosität vor einem großen Auftritt auf die Leser*innen. Sie schließt sich gnadenlos, langsam um mich wie eine Schraubzwinge. Diese innere Unruhe und der nie enden wollende Stress sind „zwischen den Zeilen“ sehr gut spürbar – auch wenn deren Triebkräfte teils stark überzogen sind.

»Gib der Polizei keinen Anlass, dich anzuhalten. Wenn es passiert –« »Achte ich darauf, dass meine Hände immer zu sehen sind, mache keinen plötzlichen Bewegungen und rede nur, wenn ich gefragt werde.« Ich kann diese Regeln auswendig. Ma und Pops haben sie mir eingebläut, als ich sieben war.

Strukturelle Probleme nur unterschwellig thematisiert

Insgesamt kommt »Concrete Rose« um einiges leichtfüßiger und naiver daher als seine Vorgänger („The Hate U Give“, „On The Come Up“). An einigen Stellen fehlt es ihm an dem Sprengkraft und Zündstoff, die Angie Thomas‘ erste Romane so brisant machten.

Rassismus als strukturelles Problem kommt in diesem Werk eher unterschwellig zur Sprache. Der brodelnde Konflikt zwischen verschiedenen sozialen Schichten eskaliert weniger. Die größte Stärke dieses Buches ist vielmehr die authentische Darstellung der slumartigen Umgebung, in der Mav aufwächst.

»Eine der größten Lügen, die je verbreitet wurden, ist, dass Schwarze Männer keine Gefühle spüren. Schätze mal, es ist leichter, uns das Menschsein abzusprechen, wenn man uns für herzlos hält. Tatsache ist, wir fühlen Sachen. Verletzung, Schmerz, Trauer, all das. Wir haben ein Recht, diese Gefühle genauso zu zeigen wie jeder andere.“

Er durchgeht in »Concrete Rose« eine immense innere Entwicklung und muss sich zwangsweise mit den Themen „Schuld“ und „Verlust“ auseinandersetzen. Dabei hat sich in seinem Umfeld ein Wertesystem etabliert, das seiner eigenen Logik folgt – zu meinen eigenen Überzeugungen ist es aber überwiegend gegensätzlich.

Buchtrailer zu »Concrete Rose« von Walker Books

Verantwortung als zentraler Aspekt in »Concrete Rose«

Was bedeutet Verantwortung? Inwiefern muss ich für meine Mitmenschen und für mich selbst Verantwortung übernehmen? Inwiefern bin ich für meine eigenen Fehler zuständig? Darf ich die Schuld auf das Umfeld schieben, in dem ich aufgewachsen bin? Das Stichwort der Verantwortung taucht immer wieder als zentraler Aspekt im vorliegenden Werk auf.

Insgesamt fällt mir durch die fehlende Schlagkraft und einige absurde handlungstechnische Schlenker ein kleiner qualitativer Abstrich gegenüber „The Hate U Give“ auf. Nichtsdestotrotz möchte ich euch an dieser Stelle »Concrete Rose« uneingeschränkt ans Herz legen – schon lange habe ich ein Buch nicht mehr so gebannt und gerne gelesen wie dieses.

»Concrete Rose« zeichnet ein authentisches Bild aus der Vergangenheit von Starrs Vater. Das Buch zeigt, wie wichtig Verantwortung im Umgang miteinander ist.

Autor*in: Angie Thomas
Titel: Concrete Rose
Übersetzung: Henriette Zeltner-Shane
Seiten: 416
Erscheinungsdatum: 25.01.2021
Verlag: cbj Verlag
ISBN: 978-3-551-55783-4

Der 17-jährige Maverick weiß aus bitterer Erfahrung: Man ist verantwortlich für die eigene Familie. Als Sohn eines Vaters, der im Knast sitzt, dealt er für die King Lords, damit er und seine Mutter über die Runden kommen. Das Leben ist zwar nicht perfekt, aber seine Freundin und sein Cousin Dre machen es erträglich. Doch als Mav erfährt, dass er Vater geworden ist, steht seine Welt Kopf. Sein Sohn Seven ist vollständig auf ihn angewiesen.

Schnell begreift Mav, dass er nicht alles unter einen Hut bekommt: den Schulabschluss zu machen, sich um Seven zu kümmern und zu dealen. Der Ausweg: auszusteigen aus dem Gangleben. Doch die King Lords lassen keinen der ihren einfach so ziehen. Und als ein wichtiger Mensch in Mavericks Leben ermordet wird, steht er vor einer Zerreißprobe zwischen Verantwortung, Loyalität und Rache …

Hinweis: Zur Bewertung wurde mir durch den cbj-Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!

Johannes Streb

Die Begeisterung für die Medienwelt begeistert mich schon seit meiner Kindheit: immer die Nase in einem Buch, einen Kopfhörer im Ohr, die Finger auf den Tasten. Seit mehreren Jahren nun führe ich den Blog "Der Medienblogger", auf dem ich bereits über 300 Rezensionen zu Buch, Film und Serie veröffentlicht habe. Dieses Jahr startete ich mit einer Schweizer Bloggerin den Podcast "findichauch." als feuilletonistischen Dialog über zeitgenössische Literatur. Zudem spiele ich leidenschaftlich Theater und bin großer Fan von Lady Gaga und dem Eurovision Song Contest.

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