5 Sterne Bücher

Crimson Lake, Band 1

Vor zwei Jahren erschien im Suhrkamp-Verlag der Auftakt einer Thrillerreihe der australischen Schriftstellerin Candice Fox. Der dem Buch zugrundeliegende Klappentext konnte definitiv mein Interesse wecken: Es geht um zwei durch ihre kriminelle Vergangenheit von der Gesellschaft ausgestoßene und gehasste Menschen, die zusammen einen Vermisstenfall auflösen. Klingt total vielversprechend, oder? Aber kann das Werk seine Versprechungen letztendlich auch halten?

Crimson Lake

Band 1 der Ted Conkaffey-Reihe, AUS 2017, 380 Seiten

Autor*in

Candice Fox

Verlag

Suhrkamp Taschenbuch Verlag, Berlin

(ET: 21. Oktober 2017)

Preis

15,95€

Genre

Thriller, Krimi

Klappentext

12.46 Uhr: Die dreizehnjährige Claire Bingley steht alleine an einer Bushaltestelle.

12.47 Uhr: Ted Conkaffey hält mit seinem Wagen neben ihr.

12.52 Uhr: Das Mädchen ist verschwunden …

Sechs Minuten – mehr braucht es nicht, um das Leben von Detective Ted Conkaffey vollständig zu ruinieren. Die Anklage gegen ihn wird zwar aus Mangel an Beweisen fallengelassen, doch alle Welt glaubt zu wissen, dass einzig und allein er es gewesen ist, der Claire entführt hat. Um der gesellschaftlichen Ächtung zu entgehen, zieht sich der Ex-Cop nach Crimson Lake, eine Kleinstadt im Norden Australiens, zurück.

Dort trifft er Amanda Pharrell, die ganz genau weiß, was es heißt, Staatsfeind Nr. 1 zu sein. Vor Jahren musste sie wegen angeblichen Mordes ins Gefängnis. Nun tun sich die beiden Außenseiter zusammen und arbeiten als Privatdetektive. Ihr Fall: Ein berühmter Schriftsteller mit Doppelleben und kaputter Familie ist verschwunden, die örtliche Polizei behindert die Arbeit der beiden mit harschen Methoden. Dann platzt das Inkognito von Conkaffey, die Medien erzeugen Hysterie. Lynchstimmung macht sich breit. Während er den Fall seiner neuen Partnerin wieder aufrollt und sie versucht, ihn zu entlasten, nimmt der Fall des Schriftstellers überraschende Wendungen …

Zunächst tat ich mich zunächst mit dem Einstieg ein wenig schwer. Die Leser*in wird ohne große Umschweife in das Szenario hineingeworfen und muss sich selbstständig orientieren. Wenn man aber erst einmal angekommen ist, bietet Candice Fox eine Vielzahl an Gründen, diesen Thriller unbedingt weiterzuempfehlen. Einige davon möchte ich im Folgenden unterbreiten:

Die beiden Hauptfiguren, die uns hier präsentiert werden, sind außergewöhnlich: Ted Conkaffey ist ein vom Gericht wegen zu geringer Beweislast freigesprochener und trotzdem von der Gesellschaft ausgestoßener, teilweise sogar tätlich angegriffener Ex-Polizist, der überfordert ist mit diewser allseitigen Ächtung; sein emotionaler Gegenpartner die taffe Privatdetektivin Amanda Pharrell, die ihre Haftstrafe bereits abgesessen und mit ihrer sozialen Position scheinbar abgefunden hat. Sie beide ermitteln zusammen in einem Fall rund um einen vermissten, berühmten Schriftsteller. Die Chemie zwischen den Protagonisten stimmt völlig; sie reiben an- und stoßen teilweise auch aufeinander, bilden aber zunehmend ein authentisches und erfrischend neuartiges Team, das ich so in der Kombination zuvor noch nicht erlebt habe. Die charakterliche Ausarbeitung ist der Autorin dabei besonders gut gelungen, da die Ängste, Zweifel und Hoffnungen so deutlich betont werden, dass man sich als Leser*in gut in diese beklemmende Situation einzufühlen vermag, die man sonst nur aus der anderen Perspektive beobachtet. Die sarkastischen Kommentare von Amanda Pharrell sorgten für humorvolle Auflockerung zwischen den Zeilen.

Geschickt werden hier ebenfalls mehrere Kriminalfälle ineinander verstrickt. Es stehen natürlich die Ermittlungen rund um den verschwundenen Autor im Vordergrund; gleichzeitig aber werden einige neue Indizien aus der Vergangenheit der beiden Hauptfiguren zutage gefördert. Der Konflikt zwischen der ständigen, brutalen Auseinandersetzung mit der Bevölkerung, die unwiderruflich sicher ist, dass du schuldig bist, und zur gleichen Zeit deine eigene, zunehmend brüchiger werdende Überzeugung, unschuldig zu sein, und die größer werdende Wut über diese Ungerechtigkeit wird hier authentisch beleuchtet. Die Leser*in darf hier also nicht nur Zeuge im Fortschritt eines, sondern gleich drei verschiedener, sich in Spannung in nichts nachstehender Handlungsstränge sein.

Handwerklich beweist uns Candice Fox auf vielfältige Art und Weise ihr schreibtechnisches Können: Der Schreibstil kann zwar nicht sofort ab der ersten Seite, später aber umso mehr packen und sein wahres Suchtpotenzial entfalten. Das australische Setting ist besonders, denn so spielt die Geschichte zwischen Krokodilen, Sümpfen und dem Dschungel. Die schlussendlichen Wendungen und Auflösungen hinter zumindest einigen der begonnenen Handlungselemente sind allemal überraschend und sind bis auf eine Ausmaße uneingeschränkt schlüssig: Die Motive hinter einer der begangenen Straftaten – und es ist schwer, darüber zu schreiben, ohne bereits etwas aus dem komplexen Konstrukt des Romans vorwegzugreifen – können nicht hundertprozentig überzeugen, sondern bleiben nach meinem persönlichen Geschmack etwas zu schwach für das Ausmaß des angerichteten Schadens. Offengelassene und nicht vervollständigte Ansätze wecken in mir definitiv Interesse und Lust auf folgende Bände.

Insgesamt habe ich in dem ersten Band rund um Ted Conkaffey eine unbedingte Thriller-Empfehlung entdeckt, die auf einigen Ebenen einen ganz anderen Weg einschlägt als andere Genrevertreter. Wer Lust auf einen solchen Roman hat, sollte hier definitiv zuschlagen.

Fazit und Wertung

„Crimson Lake“ ist ein atemberaubender, innovativer Thriller, der langsam, aber stetig die Klauen um seine Leser*innen schließt und bis zum letzten Kapitel nicht mehr loslässt.

Daher möchte ich gerne volle fünf von fünf möglichen Sternen vergeben.

★★★★★

Genrewertung: 10 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Zur Bewertung wurde mir durch den Suhrkamp-Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!

#Thriller #Krimi