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Das Schicksal der Sterne

Adib und Karl. Der eine ein junger Flüchtling aus Afghanistan, der andere ein alter Mann, der in seiner Jugend aus seiner schlesischen Heimat vertrieben wurde. Beide sind geprägt von den Erlebnissen ihrer Flucht und beide haben Verlust, Angst und Verfolgung kennengelernt. Und trotzdem hat keiner von beiden aufgegeben. In Berlin kreuzen sich die Wege von Adib und Karl. Die Geschichte einer besonderen Freundschaft zwischen zwei Menschen, die ein gemeinsames Schicksal teilen, beginnt…

Flucht. Dieses Wort beschreibt immer, dass man vor etwas Angst hat, vor etwas ausweichen möchte. Man kann einen bestimmten Zustand nicht mehr ertragen und muss deshalb fliehen. Meistens spielt dabei auch die Angst vor der Gefahr eine große Rolle. Man möchte sich schützen – sich und die, die man liebt. Man möchte diesem Zustand entkommen. Und nimmt dabei alles auf sich.

So auch bei „Das Schicksal der Sterne“. Es geht um einen alten Mann, der die Zeit vom Ende des Zweiten Weltkrieges miterleben musste – und die darauffolgende Flucht, da nun ausländische Mächte das Land besetzten und seine Familie nicht mehr in der Wohnung bleiben darf. Hierbei geht es wohl eher um gezwungene Flucht, nicht freiwillig. Eine weitere große Rolle spielt ein arabischer Junge, der mit seine Familie nach Deutschland flieht. Er hat seinen großen Bruder bei dieser gefährlichen Reise verloren und selbst Schreckliches durchmachen müssen. Aber sie haben die Flucht geschafft, haben den schlimmen Zustand in ihrem Heimatland hinter sich gelassen, doch in Deutschland kommen neue Probleme hinzu. Und unter all diesen Problemen ereignet es sich, dass diese beiden Figuren, die selbst viel durchmachen mussten, die eine bewegte Vergangenheit hinter sich haben, treffen und miteinander befreunden.

Um dieses Werk des Autoren Daniel Höra soll es in dieser Rezension gehen. Bereits nach Lesen des Klappentexts hat mich die besondere Thematik sehr interessiert werden lassen. Der Einstieg war jedoch nicht ganz so packend, wie ich es erwartet hatte. Nach kleinen Startproblemen, die sich wirklich als klein erwiesen, denn danach konnte ich den flüssigen und leicht zu lesenden Schreibstil des Autoren in vollem Zuge genießen, konnte ich mich an den plastischen Figuren erfreuen. Im Laufe des Buches bekräftigte sich jedoch die Tatsache, dass die Gefühle der Protagonisten sehr blass und schwach wirkten, was vor allem am Ende des Buches der Fall war. Zudem wurde meiner Meinung nach die innere Handlung nicht ausführlich genug beschrieben, was u.a. dazu führte, dass die Entwicklung der Freundschaft nicht nachvollziehbar war.

Die Freundschaft zwischen dem alten Mann Karl und dem jungen Flüchtling Adib war interessant anzusehen, auch wenn die Freundschaft an sich leider völlig außen vor gelassen wurde und der erwartete Austausch über deren traumatischen Erlebnisse, der Stoff für politische oder moralische Diskussionen hätte bieten können, blieb aus. Das liegt daran, dass dieser freundschaftliche Bund nicht im Mittelpunkt stand, nicht das Kernthema war. Dafür machte sich die Tatsache, dass „Das Schicksal der Sterne“ keine starke politische Meinung ergriff, sondern neutral berichtet, stark und stieß bei mir auf Zuneigung.

Die bewegende Vergangenheit der Figuren wurde sehr ausführlich, detailliert und spannend beschrieben, gelindert jedoch durch einige sehr unpassende Formulierungen. Diese Stilbrüche stießen bei mir sehr auf. Leider hatte ich nach Beendigung des Buches das Gefühl, dass auf eine der beiden Hauptfiguren, Adib, nicht genug eingegangen worden war und der Junge dem Leser nicht so vertraut war, als dass er die ganze Handlung auf seinen Schultern tragen könnte. Zudem wirkte das Ende sehr abgehackt und die bestimmte Message, mit der ich bei diesem Geschichtsstoff, den das Buch behandelt, felsenfest gerechnet hätte, fehlt, wodurch das Buch leider Gottes substanzlos wirkt.

Letztendlich lässt sich sagen, dass ich glaube, dass „Das Schicksal der Sterne“ gut als Schullektüre geeignet ist, da es intellektuell nicht zu sehr beansprucht und nüchtern geschichtliche Fakten erzählt, ohne dabei langweilig zu wirken. Darüber hinaus hatte es leider viele Macken und starke Schwächen, die das Lesevergnügen lindern.

Genrewertung: 5,5/10 Punkte

Gesamtwertung: 4,5/10 Punkte

2 Sterne

Das entspricht unterdurchschnittlichen zwei von fünf Sternen für „Das Schicksal der Sterne“.

Vielen Dank für die Bereitstellung des Rezensionsexemplares an den blomoon Verlag!

‚Das Schicksal der Sterne‘

Roman, Jugendbuch

von Daniel Höra

256 Seiten

9,99€

Taschenbuch

ArsEdition Verlag

Erscheinungsdatum: 20. März 2017

ISBN: 978-3845821764

#Jugendbuch #Roman

Johannes Streb

Die Begeisterung für die Medienwelt begeistert mich schon seit meiner Kindheit: immer die Nase in einem Buch, einen Kopfhörer im Ohr, die Finger auf den Tasten. Seit mehreren Jahren nun führe ich den Blog "Der Medienblogger", auf dem ich bereits über 300 Rezensionen zu Buch, Film und Serie veröffentlicht habe. Dieses Jahr startete ich mit einer Schweizer Bloggerin den Podcast "findichauch." als feuilletonistischen Dialog über zeitgenössische Literatur. Zudem spiele ich leidenschaftlich Theater und bin großer Fan von Lady Gaga und dem Eurovision Song Contest.

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