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Ein Plädoyer gegen Trans- und Queerfeindlichkeit: Kritik zu «Felix Ever After»

Das Buch zur rechten Zeit – wieso ich „Felix Ever After“ für das Werk halte, das die jugendliche Generation braucht

Schwarz, queer und transident: Große Identifikationsfläche für bunte Leser*innen

Felix hat es sich zur Aufgabe gemacht: er möchte sich zum ersten Mal verlieben, Schmetterlinge im Bauch fühlen, endlich in dem euphorischen Glücksgefühl zu schweben, über das so viele Musiker*innen schwärmen. Doch sein Umfeld legt ihm immer wieder Steine in den Weg und möchte seine Identität nicht akzeptieren: Denn er ist Schwarz, queer und transident. 

Das kann man dem Roman hoch anrechnen: Dass er sich auf Augenhöhe mit den Marginalisierungsformen innerhalb der queeren Community annimmt – und eben nicht „nur“ einen weißen schwulen Cis-Jungen in den Vordergrund rückt. Dies bietet vielen bunten Leser*innen Identifikations- und Reflektionsfläche für innere und äußere (gesellschaftliche) Entwicklungen. 

Selbstfindungsprozess mit dem Coming-Out nicht abgeschlossen

Autor*in Kacen Callender wählt hierfür einen erfrischenden Ausgangspunkt für die Handlung: Die Transidentität ist zwar ab dem ersten Kapitel gegeben; mit einem Coming-Out ist der Prozess der Identitätsfindung jedoch nicht zwangsläufig abgeschlossen – und durch dieses Narrativ ermutigt der Roman zur weiteren Auseinandersetzung mit dem eigenen geschlechtlichen und sexuellen Individuum. Zudem erweckt er Lust, sich weiter in die Materie der queeren Begriffe einzuarbeiten. 

Kacen Callender
© Ashley Cain

Kann man ohne Identität leben? Einfach existieren, ganz ohne Label, das besagt, wer ich bin und wer nicht?

Ein quietschbuntes queeres Figurenensemble

Tag für Tag für Anerkennung und Gleichberechtigung zu kämpfen: die gesellschaftliche Intoleranz und eine weit verbreitete Unwissenheit erschweren den Weg vieler queerer Jugendliche. In „Felix Ever After“ ist die Mehrzahl der auftretenden Figuren nicht-hetero oder cis-gelesen. Dies bietet viele sympathische Identifikationsfiguren und zeigt, dass da noch mehr Menschen sind, die ähnliches durchmachen – auch wenn es oft nicht so scheint. 

Eine Ausstellung, auf der gelöschte Instagram-Bilder und sein Deadname veröffentlicht wird; transphobe Hassnachrichten; Freund*innen, die sich von ihm abwenden – Felix weht auf seinem Weg jede Menge Queerfeindlichkeit entgegen. Diese Wut lässt er in Mailentwürfen an seine Mutter heraus, die die Familie vor einigen Jahren verlassen hat. Oder aber er steckt diese Verzweiflung in dem Erschaffen von Acrylgemälden: Beides fungiert als authentischer Kompensationspunkt. Seine inneren Auseinandersetzungen sind teils jedoch nicht nachvollziehbar: Wieso blockiert er den Instagram-Account nicht, wieso tut er sich diesen Schmerz an? 

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Süße Chemie zwischen Felix und Ezra

Glücklicherweise setzt sich sein bester Freund Ezra mit rührender Vehemenz bei rassistischen, trans- oder queerfeindlichen Redebeiträgen für Felix ein – und zeigt mit aller Deutlichkeit, wie wichtig es ist, für andere Menschen und gegen Hass einzutreten. Dem freundschaftlichen Verhältnis stehen teils die unterschiedlichen Sozialisationen der Freunde im Weg: Während Ezra in einem glanzvollen Loft in der Innenstadt lebt, lebt Felix mit seinem Vater auf wenigen Quadratmetern am Rand der Stadt. 

Trotz des flotten Tempos bietet „Felix Ever After“ hält sich das Buch strikt an den schnell vorhersehbaren Spannungsbogen und hält nur wenige Überraschungen im Handlungsverlauf bereit. Der durchgehende rosig-kitschige Optimismus mag zwar angenehm zu lesen sein, wirkt aber alles andere als realistisch: Man wünscht sich vergeblich stärkere Tipps im Verhalten gegen Queerfeindlichkeit. Hier hätte das Werk deutlich schlagkräftiger sein können. 

Fazit

„Felix Ever After“ ist ein rührendes Plädoyer für gegenseitige Toleranz – und zeigt die Notwendigkeit zum Zusammenhalt innerhalb der queeren Community. 

Johannes Streb

Die Begeisterung für die Medienwelt begeistert mich schon seit meiner Kindheit: immer die Nase in einem Buch, einen Kopfhörer im Ohr, die Finger auf den Tasten. Seit mehreren Jahren nun führe ich den Blog "Der Medienblogger", auf dem ich bereits über 300 Rezensionen zu Buch, Film und Serie veröffentlicht habe. Dieses Jahr startete ich mit einer Schweizer Bloggerin den Podcast "findichauch." als feuilletonistischen Dialog über zeitgenössische Literatur. Zudem spiele ich leidenschaftlich Theater und bin großer Fan von Lady Gaga und dem Eurovision Song Contest.

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