4 Sterne Bücher

Feuer und Feder

In Artikel 5 unseres Grundgesetzes ist die Meinungsfreiheit ein grundlegender Anspruch für jeden deutschen Einwohner. Im genauen Wortlaut steht dort geschrieben, dass jeder das Recht besitzt, „seine Meinung in Wort, Schrift und Bild frei zu äußern“. Was ist aber, wenn du in einer Welt lebst, in der Schrift Privilegierten vorbehalten ist? In der du für jedes Zeichen, das du niederschreibst, mit harten Strafen bis hin zur Hinrichtung bestraft wirst? Mit genau diesem spannenden Hintergrund entwirft Autorin Kathy MacMillan in ihrem Jugendbuch „Feuer und Feder“, das ich im Folgenden besprechen möchte, ein interessantes Grundszenario. Welche Eindrücke ich während der Lektüre gewinnen konnte und ob das Buch meiner Meinung nach empfehlenswert ist, das erfährst du in der folgenden Rezension.

Die Grundidee hinter „Feuer und Feder“, die unterdrücke Meinungs- bzw. Schriftenfreiheit, der auch Protagonistin Raisa untergeordnet ist, kann mich von der ersten Seite an in ihren Bann schlagen. Sie entfacht in der Leserschaft das Gedankenexperiment, was eine solche gewaltsame Bevormundung in der heutigen Gesellschaft für Auswirkungen haben würde, wo doch heute das Recht auf die eigene Meinung und das Ausleben des eigenen Seins so im Fokus stehen. Schade daher, dass die defensive Kritik, die an dem politischen System geäußert hätte werden können, nur in sehr subtilem Maße ausgesprochen wird. Mehr Mut zu sozialkritischen Tönen hätte dem Buch sicherlich nicht geschadet und seinem jugendlichen Lesepublikum wichtige Werte und Denkanstöße auf den Weg gegeben.

„Feuer und Flamme“ kann auf charakterlicher Seite beinahe vollständig überzeugen. Autorin MacMillan bietet uns ein vielschichtiges Figurenensemble, das man schon nach den ersten Kapiteln ins Herz schließen kann. Die Liebesgeschichte als Nebenhandlung, die den Grundpfeiler der Geschichte darstellt, ist mir nicht negativ aufgestoßen, sondern kann sogar durch die beiden charmanten Hauptfiguren trumpfen. Die Hintergrundgeschichte unserer Protagonistin Raisa bleibt bis dato leider ein wenig blass und hinter seinen Möglichkeiten zurück. Der gefährliche Machtkampf, der zunehmend in den Mittelpunkt rückt, kann durch den fein gestrickten Aufbau begeistern, leidet jedoch ein wenig unter den stumpf formulierten Motiven, die die neuen Nebenfiguren, die plötzlich auftauchen, verfolgen. Eine stärkere Betonung ihrer innerlichen Handlungen und mehr Zeit zum Einführen der Personen hätte dem Ganzen ein wenig mehr Klarheit verschafft.

Mit ihrem begeisternden Schreibstil kann Kathy MacMillan ihre Leser in einer sehr kurzen Zeitspanne für sich gewinnen. Durch ihr rasches, mitreißendes Erzähltempo „fliegt“ man nur so durch die fünfhundert Seiten des Buchs. Schön finde ich, dass sie hierbei ganz bewusst einen gelungenen Bogen vom Anfang bis zum Ende schlägt und die Handlung somit zufriedenstellend abrundet. Zudem ist die zu Beginn eines jeden Kapitels parallel erzählte Handlung über die Götter sehr geeignet und sie schmiegt sich angenehm in den restlichen Plot ein, ohne dass für den Leser hierbei zu große Verwirrung entsteht.

Ein wenig verwunderlich ist es für mich dann aber, dass „Feuer und Flamme“, nachdem es gut vierhundert Seiten fast komplett ohne Fantasy-Einschlag auskommt, in seinem abschließenden Akt tief in die Kiste dieses Genres greift und ein sich selbst zu übertreffen versuchendes Finale abliefern möchte, das dem Rest des Buches nicht gerecht wird. Die Endstation des sonst so gelungenen Handlungsbogens gliedert sich nicht so geschmeidig in das Buch ein und lässt den Leser nicht mit einem enttäuschten, aber wenigstens faden Beigeschmack zurück.

Wenn man mich also abschließend fragt, ob ich „Feuer und Flamme“ weiterempfehlen kann, dann lautet meine Antwort an dieser Stelle eindeutig: „Ja.“ Trotz weniger Makel, die hier unweigerlich zu Punktabzug führen, handelt es sich hierbei um ein großes Lesevergnügen, das ich jedem, der sich vom Klappentext auch nur wenig angesprochen fühlt, ans Herz legen kann und möchte.

Fazit:

„Feuer und Flamme“ ist ein überzeugendes Jugendbuch, das mir durch sein überzeugendes Szenario, charmante Charaktere und den Leser auf Trab haltendem Erzähltempo positiv im Gedächtnis geblieben ist.

Daher vergebe ich hier gerne vier von fünf möglichen Sternen.

Genrewertung: 8 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 7,5 von 10 Punkten

Feuer und Feder

USA 2016, 496 Seiten, Einzelband

Autor*in: Kathy MacMillan

Übersetzung: Julian Haefs

Verlag: Gulliver, Verlagsgruppe Beltz (3. April 2017)

Format: Gebundene Ausgabe, Taschenbuch, E-Book

Preis: 18,95€

Inhalt:

Als die Sklavin Raisa zur Tutorin ausgebildet werden soll, kann sie es kaum fassen, denn Lesen und Schreiben ist im Königreich Qilara nur der Oberschicht vorbehalten. Gemeinsam mit Kronprinz Mati lernt sie nun die schwierigen Zeichen der Hohen Schrift, mit der man in Kontakt zu den Göttern treten kann. Die beiden kommen sich dabei näher als erlaubt und verlieben sich ineinander. Aber dann fordern Rebellen Raisas Unterstützung. Sie ist hin und her gerissen zwischen der Treue zu Mati und dem Wunsch, ihrem unterdrückten Volk zu helfen. Schon der kleinste Fehltritt könnte ihren Tod bedeuten.

Weiteres Material: Leseprobe

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