4 Sterne Bücher

Illuminae – Die Illuminae Akten_01

Kann ein Buch, aufgemacht wie eine dicke Aktenmappe, bestehend aus lauter verschiedenen Dokumenten, eine gesamte Geschichte erzählen? „Illuminae“ startet den Versuch und präsentiert hinter einem explosiven, stechend-orangen Deckel eine breit gefächerte Auswahl an verschiedenen, natürlich hochgeheimen Inhalten, gespickt mit Bemerkungen durch eine mysteriöse Organisation, ohne zunächst offensichtliche Struktur. Ich habe das Werk ausgelesen und berichte nun von meinen eigenen Erfahrungen, die ich während der Lektüre gewonnen habe.

Auch wenn man sich als Leser zunächst an die Aufmachung gewöhnen muss, stellt sich schnell heraus: Ja, eine Geschichte kann durchaus auf solche Art und Weise spannend erzählt werden! Durch die unterschiedlichen Textarten, durch die sich die Handlung wie ein Flickenteppich Stück für Stück zusammensetzt, wird hier Einblick in mehrere Perspektiven gegeben, sodass der Leserschaft ein rundum ausführliches Bild des Szenarios geschaffen wird, in dem die Beweggründe der sich darin befindlichen Personen klar verständlich sind.

Zwar erarbeitet man sich durch die zahlreichen Perspektivwechsel recht schnell einen guten Überblick über die Situation, so bleiben viele Figuren jedoch enttäuschend nah an der Oberfläche, ohne jemals emotionale Tiefe zu bekommen, an die sich der Leser halten und sich so mit den Figuren stärker identifizieren kann. Es gibt durchaus Bücher, in denen ist dieses Problem deutlich schlechter gelöst, und hier ist das wohl dem besonderen Schreibstil geschuldet, jedoch bleibt „Illuminae“ in dieser Hinsicht ein wenig hinter seinen Möglichkeiten zurück.

Das Buch baut über seine sechshundert Seiten Länge geschickt Spannung auf, um seine Leser weiterhin am Ball zu behalten. Dabei kann man beobachten, wie viele Handlungsstränge sich langsam wie eine Krake ausbreiten, am Ende jedoch konsequent zusammentreffen, und somit ein vollends stimmiges Bild ergeben. Einige geschickt eingebaute Wendungen können überzeugen. Am Ende des gewaltigen Bandes wird gelungen ein gemeiner Cliffhanger eingebaut, der definitiv Lust auf Fortsetzungen macht und den ersten Band der Trilogie schön zu Ende führt. Durch die abwechslungsreiche Design-Gestaltung gibt es auf jeder Seite etwas Neues zu entdecken, so erfordert diese Erzählart aber auch eine große Aufmerksamkeitsspanne von seinen Lesern.

Wo viel Licht ist, da ist leider auch ein wenig Schatten. Meiner Meinung nach ist der Handlungsansatz, den das Buch v.a. in seiner zweiten Hälfte ansteuert, ein wenig zu abstrus und nicht länger glaubwürdig. Es wirkt, als wollten sich die Autoren immer noch einmal selbst übertreffen, und merken dabei bildlich gesprochen nicht, dass die Dosis das Gift macht. Auch finde ich es schade, dass den Autoren auf den letzten Seiten ein wenig die Puste ausgeht, und sie statt ihrem außergewöhnlichen Schreibstil einer Art Fließtext verfallen und nur noch wenig Raum für Abwechslung bleibt. Ein wenig mehr Konsequenz wäre an dieser Stelle wünschenswert gewesen, schmälert jedoch nicht deutlich den Lesegenuss, den das galaktische Abenteuer bereithält.

Die Frage aus der Einleitung kann ich an dieser Stelle getrost mit einem großen Ja beantworten, da der Erzählstil von „Illuminae“ eine Geschichte nicht nur spannend erzählen kann, sondern das Buch eben durch seine besondere Aufmachung und Gestaltungsart länger im Gedächtnis bleiben wird. Einige Geschichtsstränge, die der Band bewusst nicht abschließt, verdeutlichen, dass es sich hierbei um den exponierten Teil der Reihe handelt, und auf die Leserschaft noch einiger Lesestoff wartet.

Fazit:

„Illuminae“ ist ein lesenswerter Auftakt zu einer vielversprechenden Reihe, der zwar noch Luft nach oben übrig lässt, trotzdem so vieles richtig macht, dass außergewöhnlicher Science-Fiction-Lesegenuss garantiert ist.

Gerne vergebe ich starke vier von fünf möglichen Sternen.

Genrewertung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 8 von 10 Punkten

Illuminae

USA 2015, 608 Seiten, Band 1 der „Illuminae Akten“

Autor*in: Amie Kaufman, Jay Kristoff

Übersetzung: Katharina Orgaß, Gerald Jung

Verlag: dtv Junior Verlag (13. Oktober 2017)

Format: Gebunden mit Schutzumschlag, E-Book

Preis: 19,95€

Inhalt:

Heute Morgen noch dachte Kady, das Schlimmste, was ihr bevorsteht, ist die Trennung von ihrem Freund Ezra. Am Nachmittag dann wird ihr Planet angegriffen. Kady und Ezra verlieren sich bei der Flucht und gelangen auf unterschiedliche Raumschiffe. Doch die Fliehenden werden immer noch von dem feindlichen Kampfschiff verfolgt. Und damit nicht genug: Ein Virus, freigesetzt bei dem Angriff mit biochemischen Waffen, mutiert mit grauenhaften Folgen. Und dann ist da noch AIDAN, die Künstliche Intelligenz der Flotte, die von Raumtemperatur über Antrieb bis Nuklearwaffen alles an Bord steuert. Leider nur ist AIDAN bei dem Angriff außer Kontrolle geraten und übernimmt nun das Kommando.

Weiteres Material: Leseprobe

Buchspecial: „Illuminae: Jetzt die 360°-Welt entdecken!“

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