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Infernale, Band 2: Rhapsodie in Schwarz

Informationen:

Titel: ‚Infernale: Rhapsodie in Schwarz‘

Band 2 von 2

Dystopie

Autorin: Sophie Jordan

Übersetzung: Ulrike Brauns

Seitenzahl: 384

Preis: 18,95€

Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag

Loewe Verlag

ab 14 Jahren empfohlen

Erscheinungsdatum: 13.3.’17

ISBN: 978-3785583692

Buchbeschreibung:

Ich hatte geglaubt, Mörderin genannt zu werden und alles zu verlieren – meine Zukunft, meinen Freund, meine Freunde – wäre das Schlimmste, was mir passieren konnte. Aber ich habe mich getäuscht. Herauszufinden, dass sie recht haben? Herauszufinden, dass ich genau das bin? Das ist noch viel schlimmer.

Seit Davy positiv auf das Mördergen (HTS) getestet wurde, hat sie alles verloren: ihre Familie, ihre Freunde, ihre Zukunft – und was am schlimmsten ist, sich selbst. Denn obwohl sie verzweifelt dagegen angekämpft hat, ist sie doch zu dem geworden, was sie nie sein wollte: eine Mörderin. Eine Widerstandsgruppe und ihr Anführer Caden geben ihr ein neues Ziel. Und Caden weckt Gefühle in ihr, zu denen sie glaubte, nie mehr fähig zu sein. Aber die Schuldgefühle lassen Davy einfach nicht los …

Meine Meinung:

Da mich der erste Band dieser Dilogie sehr begeistern konnte, bin ich voller freudiger Erwartungen und mit hohen Ansprüchen an diesen Band herangegangen. Ob ‚Rhapsodie in Schwarz‘ meine Erwartungen erfüllen konnte, erfahrt ihr in der folgenden Rezension.

Das Hauptmerkmal, das mir vom ersten Band der Reihe besonders in Erinnerung geblieben ist, war das packende und fesselnde Szenario, das uns die Autorin geboten hat. Die Unfairness und die Schrecklichkeit schienen beinahe greifbar zu sein und als Leser wurde man mitgerissen und spürte die dominierenden Emotionen, die die Autorin erzeugen wollte, deutlich mit. So ist mir dieses Szenario auch im Nachhinein noch stark in Erinnerung geblieben und das Buch hat sich zu Recht einen Platz in der Top 10 der besten Bücher des letzten Jahres verdient.

Dieses Gefühl, welches den Leser im ersten Buch so gepackt und nicht mehr losgelassen hat, wird hier leider gar nicht mehr erzeugt. Dadurch, dass die Regeln und die Grenzen des Szenarios – und hier finde ich es sehr schwer, nachvollziehbar zu bleiben und nicht zu sehr zu spoilern – so erschreckend hart und unnachgiebig waren, dass man sich sogar in der Rolle des Lesers dadurch eingeengt fühlte, schaffte es die Autorin in ‚Infernale‘ noch meisterhaft, Spannung aufzubauen. Im Folgeband ist dies leider überhaupt nicht mehr der Fall. Das liegt einfach daran, dass die Umstände hier so chaotisch und unübersichtlich sind, sodass man nicht mehr die ‚Gewalt von oben‘ spürt.

Die ganze Handlung wirkt hier verwirrend durcheinander und man merkt, dass die Autorin den roten Faden verliert. Das Timing stimmt gar nicht; so passiert über viele hundert Seiten hinweg beinahe gar nichts oder fast nur dasselbe, und das Ende, auf das man als Leser schon seit Beginn des ersten Teils hingefiebert hat, fällt enttäuschend aus. Das liegt daran, dass die Autorin leider die simpelste, typischste Auflösung für eine Dystopie wählt, die es nur gibt und die ich als Bücherblogger schon mehrfach gelesen habe. Dies finde ich sehr schade, da die gesamte Geschichte so originell und vielseitig angefangen hat, hier jedoch völlig nach dem Mainstream beendet wird. Die Elemente der Rebellion, die hier zutage kommen, wirken alle sehr eindimensional und ohne Ausdruckskraft und Energie. Da man als Leser von dem Widerstand nicht wirklich etwas mitbekommt und die Protagonistin sich auch nicht daran beteiligt, ist man von dem Ende doch etwas überrumpelt, obwohl man es schon von Beginn erahnen konnte, jedoch überrascht war, dass es doch so schnell und einfach ging. Auf den letzten Seiten wurde mir das interessante Thema dann doch zu leicht abgefrühstückt, was sehr zu meiner generellen Enttäuschung über das Buch beigetragen hat.

Die Protagonistin, die ich im ersten Band noch total sympathisch und nachvollziehbar fand und mit der man auch mitfiebern konnte, entwickelt sich im Folgeteil zu einem äußerst unausstehlichen, anstrengenden und nervigen Mädchen, mit dem ich große Probleme hatte. Dafür gibt es verschiedene Gründe, die ich im Folgenden kurz erläutern möchte. Zuerst einmal finde ich es vollkommen unglaubwürdig, dass sie auf einmal alles glaubt, was ihr in den Mund gelegt wird. Sie fügt sich einfach den Regeln des ersten Bandes und sieht sich selbst nicht mehr als ebenbürtig denjenigen gegenüber, die das Mördergen nicht tragen. Zudem entwickelt sie sich nach dem Motto ‚Mir ist so viel Schreckliches passiert, deswegen muss ich nach außen hin hart wirken‘, was bei mir fast nur auf negative Gefühle gestoßen ist, da die Protagonistin dadurch sehr kindisch und unrealistisch wirkt. Auch musste unbedingt noch eine Liebesgeschichte eingefügt werden, die komplett aufgesetzt wirkt und nicht in die Umstände hineinpasst. Zudem sind die Gefühle der Protagonistin nicht nachvollziehbar beschrieben, wodurch mir dieses Element, dieser Geschichtsstrang, gar nicht gefallen hat und man hätte sich hierbei viel mehr auf andere offene Dinge konzentrieren müssen.

Zudem ist mir alles zu sehr auf ein Happy-End hin gedrillt, was ebenfalls nicht in das Grundkonzept dieser Geschichte passt. Die komplette Wendung, die im zweiten Band beschrieben wird, hat man schon gehört, ist vorhersehbar und klischeehaft und im Großen und Ganzen vollkommen unbefriedigend.

Fazit:

‚Infernale: Rhapsodie in Schwarz‘ ist ein Buch, das mich nach dem überzeugenden ersten Teil komplett unzufrieden zurückgelassen hat und dem ersten Band nicht würdig ist. Die Geschichte ist vorhersehbar, klischeebehaftet und über große Teile belanglos, das Ende enttäuschend und viel zu schnell abgefrühstückt, die Protagonistin entwickelt sich auf eine absolut negative Art und Weise. Insgesamt ein nicht lesenswertes Buch, wer nicht nach dem tollen ‚Infernale‘ mit so einem unwürdigen Folgeband bestraft werden möchte. Einzig und allein das Cover ist traumhaft. Schade!

Bewertung:

Genrewertung: 4,5 / 10

Gesamtwertung: 4 / 10

Das entspricht zwei von fünf möglichen Sternen.

Falls euch diese Rezension gefallen haben sollte, würde ich mich sehr über eine Bewertung durch ein Herzchen freuen! Wie fandet ihr das Buch? Eure Meinung würde mich interessieren! Schreibt sie einfach in das untere Kommentarfeld.

#Dystopie #Liebesroman

Johannes Streb

Die Begeisterung für die Medienwelt begeistert mich schon seit meiner Kindheit: immer die Nase in einem Buch, einen Kopfhörer im Ohr, die Finger auf den Tasten. Seit mehreren Jahren nun führe ich den Blog "Der Medienblogger", auf dem ich bereits über 300 Rezensionen zu Buch, Film und Serie veröffentlicht habe. Dieses Jahr startete ich mit einer Schweizer Bloggerin den Podcast "findichauch." als feuilletonistischen Dialog über zeitgenössische Literatur. Zudem spiele ich leidenschaftlich Theater und bin großer Fan von Lady Gaga und dem Eurovision Song Contest.

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