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Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden

Heutzutage gibt es zahlreiche Bücher auf dem Markt, die schwierige Themen wie z.B. Krankheiten ansprechen und dem Leser mit eine wichtige und hilfreiche Nachricht mit auf den Weg geben und zudem die betroffenen Menschen zu Wort kommen lassen. So hat beispielsweise John Green die Herzen vieler Leser im Sturm erobert, durch berührende Geschichten wie „Das Schicksal ist ein mieser Verräter“ oder auch „Schlaft gut, ihr fiesen Gedanken“. Auch Emily Barr legt hier mit ihrem ersten Young-Adult-Werk nach, „Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden“.

Als du zehn warst, wachs ein Tumor in deinem Kopf, und als du elf warst, operierten die Ärzte ihn heraus. Ein Teil deiner Erinnerungen ist seitdem weg. Du kannst dich daran erinnern, wie man bestimmte Dinge macht […], und du kannst dich an dein Leben vor deiner Krankheit erinnern, doch du bist nicht mehr in der Lage, neue Erinnerungen zu sammeln. Du hast eine anterograde Amnesie.

Die vorliegende Geschichte ist aus der Sicht von Flora Banks geschrieben, die – wie das obige Zitat beschreibt – an einer Krankheit leidet, die ihr nicht länger als wenige Stunden erlaubt, sich etwas zu merken. Die Protagonistin war mir sofort sympathisch. Die Autorin schafft es auf eine schöne Art und Weise dem Leser den Fall näherzubringen. Dennoch gibt es ein Problem an der ganzen Sache, die mich über das ganze Buch hinweg ziemlich gestört haben.

Wiederholungen im Überfluss, Wiederholungen im Überfluss, Wiederholungen im Überfluss

Dadurch, dass das Geschehen in der direkten Rede erzählt wird, erfahren wir jederzeit genau, was Flora denkt. Sie weiß sich selbst recht gut zu helfen, indem sie sich wichtige Sachen auf ihren Arm notiert und immer einen Notizblock bei sich trägt, in der sie zusätzliche Informationen festhalten kann. Wenn sie sich also in einer Situation befindet, in der sie nicht weiter weiß, dann liest sie diese aufgeschriebenen Sätze immer und immer wieder.

Ich bin siebzehn. Ich weiß das, weil ich mich daran erinnern kann, einen Jungen am Strand geküsst zu haben.

Allein beide aufgeführten Zitate werden innerhalb dieses Werkes unzählig oft wiederholt. Das stört den Lesefluss deutlich, weil man die ganze Zeit den Eindruck hat, man könnte gut und gerne hundert Seiten überspringen und trotzdem den Überblick über die Handlung behalten, weil die Protagonistin alles Erlebte tausendfach rekapituliert.

Liebenswürdige Figuren tragen zu einer warmen Atmosphäre bei

Das alles kann man der Hauptfigur aber nicht anrechnen: Sie kann ja nichts dafür. Auch ihre Naivität, die den Großteil der Handlung steuern, kommt hier, und das kann ich nicht oft sagen, zum Amüsement und zur Unterhaltung bei. Alle Personen, die ringsum auftauchen, wachsen dem Leser schnell ans Herz. Jedoch war ich einige Male ziemlich verdutzt, da ich leider Gottes nicht daran glaube, dass sich wirklich jeder einzelne Mensch um sie herum sich unglaubwürdig nett verhalten würde. Das ist nicht realistisch, sorgt aber für ein warmherziges Gefühl, das die ganze Geschichte auszustrahlen vermag.

„[…] Ich werde dieses Gespräch sowieso vergessen, du kannst also sagen, was du möchtest.“ „Ja. Das hast du gestern auch gesagt. Und heute. […] Es ist sehr tragisch für dich. Du lebst nur im Hier und Jetzt.“

Seltsamer Spannungsbogen sorgt für Ungleichgewicht

Es ist süß und gleichzeitig traurig mit anzusehen, dass sich Flora gleich zu Beginn des Buches an die einzige Erinnerung festklammert, die ihr bleibt: dass sie einen Jungen geküsst hat. Und ich glaube, ich verrate nicht zu viel, dass von vornherein klar ist, dass diese vermeintliche Liebe zum Scheitern verurteilt ist. Dieser Suche nach ihrer verlorenen Liebe geht die Protagonistin den Rest des Buches nach, und es fühlt sich merkwürdigerweise so an, dass, nachdem sich die Autorin so viel Zeit für den großen Handlungsstrang gelassen hat, nun auf den letzten fünfzig Seiten einen weiteren, zweifelsohne spannenden, hinzufügt, der total „dahingequetscht“ wirkt.

Persönliche Nachricht der Autorin erreicht Leser trotz einiger Schwächen

Dennoch lässt sich nach Beenden der Lektüre erleichtert feststellen, dass vorliegendes Buch sein Ziel nicht verfehlt hat und dem Leser wichtige Botschaften mit auf den Weg gegeben hat. Dass Kranke nicht immer ihrer Krankheit obliegen müssen, sondern das Beste daraus machen. Das Gute darin sehen. Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden. Wenn man das, was davor war, wieder vergisst.

Letztendlich lässt sich sagen, dass…

…ich über das zu bewertende Buch eine sehr geteilte Meinung habe. Ich fand die Geschichte im Großen und Ganzen sympathisch-authentisch und habe mich in ihrer Warmherzigkeit wohlgefühlt. Im Nachhinein tröstet dieser Eindruck über die einigen Schwächen hinweg, sodass ich getrost an diejenigen, die auch nach dieser Besprechung noch Lust auf das Buch und Interesse nach dem Klappentext haben, eine Leseempfehlung aussprechen kann.

Genrewertung: 8/10 Punkte

Gesamtwertung: 6.5/10 Punkte

3 Sterne

Das entspricht guten drei von fünf Sternen für „Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden“, mit Tendenz nach oben.

Buchbeschreibung:

Sie hat kein Gedächtnis und nur eine Erinnerung: und dafür geht sie bis ans Ende der Welt. Ein außergewöhnlicher Coming-of-Age-Roman, den man so schnell nicht mehr vergessen wird. Emily Barrs ›Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden‹ ist die Geschichte eines Mädchens, das für einen Kuss bis an den Nordpol reist und durch Briefe aus Paris…

Informationen:

„Jeder Tag kann der schönste in deinem Leben werden“

Einzelband

Genre: Roman, Liebesroman, Jugendbuch

von Emily Barr

übersetzt von Maria Poets

352 Seiten

16,99€

Gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag

FJB Fischer Verlag

Erscheinungsdatum: 23. März 2017

ISBN: 978-3841440075

#Roman #Liebesroman #Jugendbuch

Johannes Streb

Die Begeisterung für die Medienwelt begeistert mich schon seit meiner Kindheit: immer die Nase in einem Buch, einen Kopfhörer im Ohr, die Finger auf den Tasten. Seit mehreren Jahren nun führe ich den Blog "Der Medienblogger", auf dem ich bereits über 300 Rezensionen zu Buch, Film und Serie veröffentlicht habe. Dieses Jahr startete ich mit einer Schweizer Bloggerin den Podcast "findichauch." als feuilletonistischen Dialog über zeitgenössische Literatur. Zudem spiele ich leidenschaftlich Theater und bin großer Fan von Lady Gaga und dem Eurovision Song Contest.

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