5 Sterne Bücher Highlight ⭐️

Malamander: Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea

Wenn du zum ersten Mal nach Eerie-on-Sea kommst, siehst du nichts als einen verschlafenen Badeort. Doch der Schein trügt. Vor der Küste treibt der Malamander sein Unwesen. Jeder hier ist dem legendären Seeungeheuer auf der Spur, aber jeder aus einem anderen Grund. Es gibt Mrs Hanniver von der Bücher-Apotheke, die für jedes Unglück die richtige Lektüre zur Hand hat. Es gibt Hakenhand, vor dem du dich besser in Acht nimmst. Vor allem aber gibt es Herbie Lemon, den 12-jährigen Sachenfinder aus dem Grand Nautilus Hotel, der jedes Fundstück zurück in die richtigen Hände bringt. Eines Tages findet er ein Mädchen: Violet ist wild entschlossen, den Malamander aufzuspüren – er ist die letzte Verbindung zu ihren verschollenen Eltern.

Autor*in: Thomas Taylor
Titel: Malamander: Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea
OT: Malamander
Übersetzung: Claudia Max
Seiten: 288
Erscheinungsdatum: 17.08.2020
Verlag: Carl Hanser Verlag
ISBN: 978-3-446-26821-0
Preis: 17,-€ (gebunden)
goodreads: Buch 51 von 65 (2020)
→ Hier kommst du zur Buchbeschreibung auf der Website des Hanser-Verlags. 

Es gibt diese Geschichten, die dich von Klein auf begeistern, in ihren Bann ziehen und in eine magische Welt entführen. Du möchtest dich mit den Figuren befreunden und mit ihnen lachen, Geheimnisse flüstern, Abenteuer erleben. An diese magischen Bücher denkst du noch viele Jahre später zurück, weil sie dich in diesem Moment geprägt und eine Kerbe in deinem Leben hinterlassen haben. Genau hier merke ich die Kraft, die mit Literatur einhergeht: Wenn ich mich Jahre später noch daran erinnere, wie sehr mich die Geschichte damals packte.

Ich wünschte, ich hätte schon damals „Malamander“ lesen können. Und ich wünsche im selben Atemzug, dass dieser Roman noch ganz vielen jungen Leser*innen spannende Stunden bereiten wird. Denn das, was uns Thomas Taylor mit diesem Buch bietet, ist in meinen Augen all das, was ich mir von einem spannenden Kinderabenteuer erhoffe.

Die Stadt mit dem seltsamen Namen, Eerie-on-Sea, hat eine einzigartige Atmosphäre, die mich ab der ersten Seite überzeugen konnte: Der eisige Wind, die schneidend kalte Luft, die schäumenden Wellen. Der Autor beweist in vielen kleinen witzigen Ideen seinen Fantasiereichtum und lädt zum Ausharren in dieser skurrilen Umgebung ein. Ich erwischte mich mehrfach während der Lektüre dabei, dass sich bei der ein oder anderen urkomischen Erfindung ein Lächeln auf meinen Lippen bahnte.

Ich heiße übrigens Herbert Lemon. Die meisten nennen mich Herbie. Wie man an meiner Kappe sehen kann, bin ich der Sachenfinder des Grand Nautilus Hotels. Irgendjemand hat mir mal erzählt, dass die meisten Hotels keinen Sachenfinder beschäftigen, aber das kann nicht stimmen. Was tun die mit all den verloren gegangenen Gegenständen? Und wie bekommen die Leute sie zurück?

Violet und Herbert sind zwei knuffige und sofort liebenswerte Charaktere, die sich mit ihrer kindlichen Naivität sofort in die nächste temporeiche Situation stürzen. Die Suche nach sich selbst und der eigenen Identität ist hierbei ein geeignetes Korsett für die Handlung und gibt beiden Figuren eine glaubwürdige emotionale Basis. Aber ich amüsierte mich auch herrlich über die schrillen Nebenfiguren und ihren grotesken Eigenheiten.

Der Malamander eignet sich gut als bedrohliches, nie ganz greifbares Mysterium, das die Neugier der Leser*innen durchweg auf sich zieht. Etwas langsamere und eher hektische Szenen halten hier einen guten Ausgleich, um eine kurzweilige und mitreißende Geschichte zu konstruieren, deren Erzähltempo niemals abbricht. Vor allem in Anbetracht der recht kurzen Buchlänge (von nicht einmal 300 Seiten) kann ich das Buch sowohl jüngeren als auch älteren Leser*innen dringend ans Herz legen. Einige Fragen bleiben am Ende des Romans offen und machen bereits jetzt große Lust auf die Fortsetzung, die im Englischen bereits erschienen ist… ich kann es kaum noch erwarten, sie endlich in Händen zu halten!

«Malamander: Die Geheimnisse von Eerie-on-Sea»  
ist ein atmosphärisches und skurriles Kinderabenteuer à la "Eine Reihe betrüblicher Ereignisse". Ich freue mich bereits jetzt auf Band zwei!
Wertung: 9 von 10 Punkten
★★★★★

Ich vergebe daher klare fünf von fünf möglichen Sternen; für mich ein definitives Lesehighlight 2020.

Hinweis: Zur Bewertung wurde mir durch den Hanser-Verlag ein Rezensionsexemplar zur Verfügung gestellt. Herzlichen Dank dafür!