3 Sterne Bücher

Nacht ohne Namen

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Manche Menschen sind füreinander bestimmt. So wie Nicki und Canon. Sie haben ihre eigene Welt. U-Bahnfahren in der morgengrauen Großstadt. Verstehen sich fast ohne Worte. Und doch wissen sie nicht viel voneinander. Ihre wahren Namen zum Beispiel kennen sie nicht. Und als Canon verschwindet, kommt Nicki einem noch viel größeren Geheimnis in seinem Leben auf die Spur. Denn sie teilt Canon mit einem Dämon – einem Dämon, der in üblen Schwierigkeiten steckt …

Titel: Nacht ohne Namen

Autorin: Jenny-Mai Nuyen

Seiten: 448

Verlag: dtv junior

Gebunden mit Schutzumschlag [16,95€]

Erscheinungsdatum: März 2016

Im Folgenden möchte ich den Fantasy-Roman Nacht ohne Namen rezensieren.

Da ich ein großer Fan von fantastischen Welten bin, hat mich der Klappentext vollkommen überzeugt und ich bin freudig an das Buch herangegangen. Ob sich das gelohnt hat, erfahrt ihr jetzt.

Nicki ist eine sympathische Protagonistin, mit der ich mich jedoch nicht ganz identifizieren konnte. Die Geschichte ist gut durchdacht, mir fielen jedoch einige Längen und Lücken im Text auf. Der Spannungsbogen ist meiner Meinung nach etwas falsch gesetzt, wodurch eben im schlimmsten Falle Langeweile aufkommt. So befasst sich die Autorin im kompletten ersten Teil mit der Hauptperson Nicki und der geheimnisvollen Beziehung mit Canon, steigt sofort ins Geschehen ein und arbeitet mit Rückblenden. Natürlich kommt Neugierde auf, was hinter dem ganzen Szenario steckt, aber tatsächlicher Nervenkitzel wird nur im letzten Teil – und dieser auch nur über eine Spanne von etwa dreißig Seiten hinweg – erzeugt. Der Roman ist anspruchsvoll, die Charakter sind größtenteils ausgeprägt und besitzen ihre eigenen Eigenschaften. Am Ende des Romans gibt es einen kleinen Twist, mit dem ich nicht gerechnet habe und ebenda landet die Geschichte – beziehungsweise die Story arbeitet genau darauf hin – im Abstrakten. So fällt es dem Leser nicht ganz leicht, eigene Bilder im Kopf hinauf beschwören zu können. Was sehr schade ist, denn die Story hat Potenzial. Der Schreibstil der Autorin ist gewöhnungsbedürftig. Sie fängt sehr gut den Berliner Flair ein und drückt sich wortgewandt und atmosphärisch sehr dicht aus, dennoch ist die Satzkonstruktion in den meisten Zeilen unnötig verschachtelt und verschraubt, was den Lesefluss hemmt. Außerdem gibt es einige hoch philosophische Sätze, die den Leser sehr fordern bis zu überfordern. So gibt es Sätze, die man sich mehrere Male durchlesen muss und quasi entknoten, dass man sie versteht. Die Titel der Kapitelüberschriften hingegen sind sehr klug und meistens mit Humor gewählt worden, sodass sie nicht zu viel über den Inhalt verraten, aber doch zu dem Geschehen passen. Das Buch nimmt auch erst sehr spät an Fahrt auf, also wenn man wirklich interessiert ist, sollte man sich durch die ersten etwa hundertfünfzig Seiten quälen.

So hat Jenny-Mai Nuyen einen interessanten Fantasy-Roman auf den Markt gebracht, der aber leider etwas hinter meinen Erwartungen bleibt und Potenzial liegen lässt. Schade – denn die Autorin kann schreiben.

Pro

+ gute Charaktere

+ philosophisch

+ Kapitelüberschriften

Contra

– viele Längen

– wenig Spannung

– verschraubte Sätze

Humor *

Spannung *

Action

Gefühl *

Fazit:

Genrewertung: 7,5 / 10

Gesamtwertung: 5,5 / 10

#Fantasy