Startseite » American Horror Story: Asylum

American Horror Story: Asylum

Dominique, nique, nique

S’en allait tout simplement

Routier, pauvre et chantant

En tous chemins, en tous lieux

Il ne parle que du Bon Dieu

Il ne parle que du Bon Dieu.

– Dominique (1982), Sœur Sourire

Wer die zweite Staffel von „American Horror Story“, oder auch kurz AHS genannt, schon kennt, dem werden die obenstehenden Worte, ins Gehirn gebrannt sein, egal, ob man je schon einmal Französisch belegt hat oder nicht. Und wer sie noch nicht gesehen hat, sie aber nach dieser Rezension noch sehen möchte, dem werden sie zwangsläufig ebenso begegnen.

Das ausgewählte Zitat stammt aus dem gut gelaunten, schrecklich-nörgligem Lied namens „Dominique“, welches durchgehend im Gemeinschaftsraum von Briarcliff, einer psychiatrischen Anstalt, die den Austragungsort der zweiten Staffel darstellt. Die Serie ist eine sogenannte Anthologie, also sind die einzelnen Staffeln in sich abgeschlossen. Es gibt zwar einige Parallelen untereinander, aber „Asylum“ beispielsweise lässt sich ohne jegliches Vorwissen über die Vorgängerstaffel genießen.

Die Darsteller – und da kommen wir gleich zu einer großen Stärke der Serie – spielen wirklich erstklassig. Egal, ob sie ein nervliches Ende, emotionale Momente oder grauenvolle Ereignisse darstellen müssen, sie meistern es mit Bravour. Da ist v.a. die großartige Schauspielerin Jessica Lange hervorzuheben, die mir hier am meisten imponiert hat. Sie schafft es, ihren Kollegen die Schau zu stehlen. Innerhalb der Staffel hat sie nämlich eine enorme Entwicklung durchzuschreiten und wie sie die verschiedenen Phasen der völligen geistigen Zerstörung darstellt, verdient größten Respekt. Und das Beste: Die Schauspieler kehren in den nächsten Staffeln zwar als andere Figuren, aber mit genauso großem Engagement zurück auf die Leinwand.

Ein weiterer Pluspunkt für die Serie ist zweifelsohne die Atmosphäre, die es die Macher der Serie schaffen, innerhalb der abgeschlossenen dreizehn Episoden aufzubauen. Dabei wird hier nicht einmal überwiegend auf Schockmomente gesetzt, nein, sondern der wirkliche Horror der Serie entsteht durch die Düsternis und Isolation, die ein solches Irrenhaus ausstrahlt. Wie einfach es ist, von der Gesellschaft als verrückt angesehen zu werden – und wie man dieses Image nie wieder los bekommt, sondern vielleicht wirklich beginnt, durchzudrehen. Und wo liegt überhaupt die Grenze zum tatsächlichen Wahnsinn?

Vor allem die ersten paar Episoden sind es, die gruselig sind. Dieses Phänomen konnte ich bereits in der ersten Staffel beobachten: Die ersten Folgen sind die erschütterndsten, weil man noch nicht vertraut mit dem neuen Szenario ist. Erst später kann man sich mehr oder minder daran gewöhnen, aber die Eingewöhnungsphase kostet dem Zuschauer die meisten Nerven.

Die Serie an sich ist schon sehr morbide. Gleichzeitig hat sie einen großen Suchtfaktor. Wenn man diese beiden Eigenschaften miteinander verbindet, dann erkennt man, dass man sich sehr lange mit den Protagonisten in dieser Anstalt aufhält. Und wenn man weiß, dass die Hauptthemen von AHS Tod, Folter, Besessenheit und psychische Zerstörung ist, dann zieht einen das auf Dauer wirklich runter. Das sollte man sich bewusst machen, bevor man AHS anfängt zu sehen. Es ist eine Serie, die belastet und einen nicht so schnell wieder loslässt. Sie lässt sich nicht so einfach „wegsehen“, sondern erfordert vom Zuschauer Nerven. Ob ihm diese Investition wert ist, muss jeder selbst entscheiden.

Alleine das Intro von „American Horror Story“ strahlt durch den Zusammenschnitt von dunklen Bildern und bedrohliche und angsteinflößende Sounds eine horrorartige Wirkung aus. Dem Genre Horror wird diese Staffel also allemal gerecht.

Einzig und allein die letzten Episoden sind diejenigen, denen am Ende die Luft ausgeht. Man hätte das, was in den letzten drei Folgen passiert, gut und gerne in einer oder zwei erzählen können. Dadurch wirken sie etwas langatmig und belanglos. Dennoch finde ich es insgesamt lobenswert, dass sich dadurch, dass es sich um eine Serie handelt, genügend Zeit zur Ausarbeitung der Charaktere genommen wird. Man lernt sie und ihr Innenleben näher kennen. Jede der Figuren macht eine Entwicklung durch und diese wird nach außen hin, je vom Charakter abhängig, unterschiedlich deutlich präsentiert. Die undurchdringliche Fassade von Dr. Arden zum Beispiel ist dadurch so gelungen, als dass man niemals weiß, was hinter dieser Stirn vor sich geht und was gleich passieren wird.

Einigen Handlungssträngen, die in den Episoden aufgenommen wurden, gibt man meiner Meinung nach zu viel Erzählzeit, obwohl sie nichts offensichtlich Fortschrittbringendes zum allgemeinen Spannungsbogen beizutragen haben.

Es gibt so viele Facetten in dieser Serie, die einen Bericht wert sind, aber sie würden diese Rezension nur unnötig in die Länge ziehen. Wichtig ist es, festzuhalten, wie vielschichtig und abwechslungsreich sich die zweite Staffel AHS gestaltet und mit welchen besonderen Mitteln es den Machern der Serie gelingt, dem Zuschauer ein mulmiges Gefühl im Bauch und Gänsehaut am Rücken zu bereiten. Welche dunklen Farben die Kamera in ihren teilweise sehr untypischen und besonderen Fahrten einfängt. Welche Stimmung die zwar stellenweise zu überdramatisierte, aber geeignete Musik aufbaut. Welche Finsternis allein schon der Ruf einer Irrenanstalt ausstrahlt – und wie diese perfekt von einem gelungenen Setting eingerahmt wird. Welche Wut, welche Verbitterung, welche Zerstörung die Darsteller vermitteln können.

Ja, es stimmt, ich habe mich in der zweiten Staffel von „American Horror Story“ ordentlich gegruselt. Wer jetzt aber Furcht vor einer langzeitlichen Schädigung hat, dass er monatelang nicht mehr ohne Licht einschlafen kann, dem kann ich nur eine Entwarnung aussprechen. Die Serie belastet, ja, aber mir zumindest ging es so, dass ich mich im Nachhinein über nichts Konkretes fürchten musste, sodass ich die Serie sogar direkt vorm Einschlafen gucken konnte, ohne von Albträumen geplagt zu werden.

Wenn man mich also fragt, ob ich „American Horror Story: Asylum“ weiterempfehlen kann, dann ist die eindeutige Antwort, die sich aus der vorliegenden umfangreichen Rezension ergibt: Ja. Wer Lust auf atmosphärisches und gut gemachtes Horrorkino in Serienformat hat, der ist mit der zweiten Staffel einer vielversprechenden Serie gut beraten. Ich bin gespannt auf die nächsten Staffeln.

Gerne vergebe ich fünf von fünf möglichen Sternen.

Genrewertung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Das musst du wissen:

„American Horror Story: Asylum“

Staffel 2 von momentan 7 [Stand: August 2018]

mit Jessica Lange, Sarah Paulson und Evan Peters

Laufzeit: ca. 39-46 Minuten

insgesamt über 9 Stunden

4 DVDs

13 Episoden

FSK: ab 18 (keine Jugendfreigabe)

20th Century Fox Produktion

Horror, Thriller, Drama, Mystery, Fantasy

produziert in den USA

Idee: Ryan Murphy, Brad Flachuk

Produktion: Chip Vucelich, Alexis Martin Woodall

Musik: Cesar Davila-Irizarry, Charlie Clouser, James S. Levine Kyle Dixon, Michael Stein

auch auf Netflix verfügbar

#Horror #Thriller #Drama #Mystery #Fantasy

Johannes Streb

Die Begeisterung für die Medienwelt begeistert mich schon seit meiner Kindheit: immer die Nase in einem Buch, einen Kopfhörer im Ohr, die Finger auf den Tasten. Seit mehreren Jahren nun führe ich den Blog "Der Medienblogger", auf dem ich bereits über 300 Rezensionen zu Buch, Film und Serie veröffentlicht habe. Dieses Jahr startete ich mit einer Schweizer Bloggerin den Podcast "findichauch." als feuilletonistischen Dialog über zeitgenössische Literatur. Zudem spiele ich leidenschaftlich Theater und bin großer Fan von Lady Gaga und dem Eurovision Song Contest.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Zurück nach oben