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American Horror Story: Freak Show

Nach einem verfluchten Haus, einer Irrenanstalt und einem bedrohten Hexenzirkel geht es für die regen Zuschauer der Horrorserie „American Horror Story“ in der vierten Staffel nun in das Amerika der frühen 50er Jahre. Elsa Mars, wieder einmal grandios verkörpert von Jessica Lange, hat eine sogenannte „Freak Show“ eröffnet, in welchen sie von der Gesellschaft ausgestoßene Andere zur Schau stellt, nachdem sie sie unter ihre Fittiche genommen hat. Welche Stärken und Schwächen in den dreizehn Episoden dieser Staffel zutage kommen, erfährst du in der folgenden Rezension.

American Horror Story: Freak Show

USA 2014, Staffel 4, ca. 660 Min, ab 18

Horror | Thriller | Drama | Mystery | Fantasy

Main-Cast:

Jessica Lange (Elsa Mars)

Sarah Paulson (Bette & Dot Tattler)

Frances Conroy (Gloria Mott)

Finn Wittrock (Dandy Mott)

Evan Peters (Jimmy Darling)

Kathy Bates (Ethel Darling)

Michael Chiklis (Wendell „Dell“ Toledo)

Angela Bassett (Desiree Dupree)

Emma Roberts (Maggie Esmerelda)

Denis O’Hare (Stanley)

Drehbuch:

Ryan Murphy

Brad Falchuk

Jessica Sharzer

James Wong

Jennifer Salt

Tim Minear

Regie:

Ryan Murphy

Bradley Buecker

Howard Deutch

Alfonso Gomez-Rejon

Anthony M. Hemingway

Michael Goi

Verleih:

20th Century Fox Home Entertainment

(ET: 7.4.2016)

Format:

DVD, BluRay

auch auf Netflix verfügbar

Inhalt.

Elsa Mars ist die Leiterin einer Gruppe von menschlichen „Kuriositäten“ mit dem verzweifelten Versuch, in der verschlafenen Kleinstadt Jupiter, Florida im Jahre 1952 zu überleben. Der Wanderzirkus mit seinen darstellenden Künstlern umfasst einen telepathischen, zweiköpfigen Zwilling, eine resolute bärtige Frau, einen verletzlichen Muskelprotz und seine heißblütige Frau mit drei Brüsten. Allerdings bedroht die geheimnisvolle Ankunft einer dunklen Macht auf brutale Weise das Leben der Stadtbewohner und der Freaks gleichermaßen.

Rezension.

Da die Serie recht schnell an Fahrt gewinnt, ist er für das Publikum nicht schwer, sich zügig an das neue Szenario und Setting zu gewöhnen. Das wunderschöne und dennoch schräge Zirkusgelände bietet wirklich die perfekte Atmosphäre für die Handlung. Auch wird hier, wie schon in den vorherigen Staffeln, handwerklich sehr gute Arbeit geleistet. Die Kameraführung ist mit ihren spektakulären 360-Grad-Drehungen und ungewöhnlichen Perspektiven kreativ und fängt teils farbenfrohe, teils düstere Bilder ein.

Diese Staffel hat etwas Besonderes, was sie von ihren Vorgängern grundsätzlich unterscheidet: Man setzt hier viel Erzählzeit auf ausführliches und tiefgründiges Kennenlernen der Charaktere. Natürlich, schon in „Coven“ beispielsweise werden uns identifizierbare und sympathische Figuren geboten, hier jedoch werden alle persönlichen Hintergrundgeschichten der unterschiedlichen Charaktere, der „Freaks“, verbildlicht. Dadurch können sie dem Zuschauer ans Herz wachsen und für einige ehrlich berührende und herzzerreißende Momente sorgen. Sie werden von der Gesellschaft wegen ihrer Sonderbarkeit ausgestoßen – und akzeptieren ihre Eigenheiten, nicht jedoch das intolerante Verhalten der Bürger. So schafft es „Freak Show“ nicht nur eine spannende Handlung zu erzählen, sondern gleichzeitig seinem Publikum ernste und wichtige Botschaften mit auf den Weg zu geben, wie z.B. die Toleranz gegenüber Diversität unter Menschen oder auch Homosexualität. Es ist eine Ode an die Nächstenliebe.

Der wahre Horror, der hier entsteht, funktioniert nicht durch irgendwelche unheimlichen übernatürlichen Phänomene. Die vierte Staffel kommt bei Weitem mit den wenigsten fantastischen Handlungselementen aus. Nein, der wahre Grusel tritt durch erschreckend realistische innere Handlungen der Menschen auf. Nie kann man als Zuschauer erahnen, wohin die Serie arbeitet, weil sie durch egoistische und selbstsüchtige Motivationen der Charaktere aus den Fugen gerissen wird. Dabei wird hier an keiner Stelle nach dem bekannten „Gut/Böse“-Schema gearbeitet, sondern jeder handelt aus ichbezogenen Gründen. Das macht „Freak Show“ unglaublich vielschichtig – aber gleichzeitig auch menschlich.

Natürlich bedient man sich auch hier etwas gewöhnlicheren Horrorelementen wie z.B. Killerclowns. John Carroll Lynch agiert hier als Twisty The Clown, welcher mir schon beim bloßen Anblick aufstellende Nackenhaare bereitet. Selbst dieser Antagonist wird nicht einseitig als Monster dargestellt, jedoch eine Hintergrundgeschichte aufbereitet, welche dem Clown nicht nur teilweise den Schrecken nimmt, sondern ihn menschlich präsentiert.

All das wird unterstützt, und das ist schon beinahe ein Markenzeichen dieser Serie, durch grandiose Arbeit vonseiten des Schauspielerensembles. Jessica Lange als Elsa Mars funktioniert einwandfrei. Sie ist wie für diese Rolle geschaffen, ihrer undurchschaubaren Miene kann man nie ablesen, ob sie gerade die Wahrheit spricht oder nicht. Die mütterliche Zuneigung zu ihren „Monstern“ zweifelt man jedoch nie an. Finn Wittrock als Dandy Mott, den man aus Filmen wie „La La Land“ kennt, stiehlt seinen Kollegen die Schau. Er gibt hier wirklich alles und stellt erschreckend seine emotionale Veränderung dar. Im Rahmen dieser Staffel erscheint es glaubwürdig, wie er selbst von sich und seinem von Gott gegebenem Ziel überzeugt ist und demnach handelt. Auch Evan Peters als Jimmy Darling, Frances Conroy alias Gloria Mott und Sarah Paulson, die hier im wahrsten Sinne des Wortes eine doppelte Leistung abliefert, sind hier einer namentlichen Erwähnung wert.

Was stark und kurzweilig beginnt, dem geht kurz vor dem Ende zwischendurch die Luft aus. Eine Glättung der Episodenlänge hätte der Staffel hier sicherlich gut getan. Dem entgegenstehen einige überzeugende Singeinlagen (v.a. das von Jessica Lange interpretierte „Life On Mars?“) und ein gelungenes und befriedigendes Ende, welches mich als Zuschauer fasziniert zurück und erkennen lässt, dass es sich bisher in der Reihe der ersten vier „American Horror Story“-Staffeln wahrscheinlich um die beste handelt. Jedenfalls meinem Empfinden nach.

Wenn man mich abschließend fragt, ob ich „Freak Show“ weiterempfehlen kann, dann ist die Antwort unschwer der obigen Rezension zu entnehmen. Es ist schön, zu beobachten, wie sich die Serie trotz ihrer schon anfänglichen Stärke weiterentwickeln kann, ihrem alten Muster aber dennoch treu bleibt. Für mich ist es eine wahre Freude, in jeder Staffel in ein neues Szenario eintauchen zu dürfen, aber auch jedes Mal wieder schwer, von liebgewonnenen Figuren loslassen zu müssen.

Fazit und Wertung.

„American Horror Story: Freak Show“ ist eine atmosphärisch dichte Staffel, die mit tollem Setting, überwältigender Besetzung, schockierendem Grusel und emotionalen Momenten punkten kann.

Hierfür vergebe ich sehr gerne fünf von fünf möglichen Sternen.

Genrewertung: 9,5 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Bildergalerie.

Hinweis: Die Rechte an den verwendeten Bildern liegen bei 20th Century Fox Home Entertainment.

#Horror #Thriller #Drama #Mystery #Fantasy

Johannes Streb

Die Begeisterung für die Medienwelt begeistert mich schon seit meiner Kindheit: immer die Nase in einem Buch, einen Kopfhörer im Ohr, die Finger auf den Tasten. Seit mehreren Jahren nun führe ich den Blog "Der Medienblogger", auf dem ich bereits über 300 Rezensionen zu Buch, Film und Serie veröffentlicht habe. Dieses Jahr startete ich mit einer Schweizer Bloggerin den Podcast "findichauch." als feuilletonistischen Dialog über zeitgenössische Literatur. Zudem spiele ich leidenschaftlich Theater und bin großer Fan von Lady Gaga und dem Eurovision Song Contest.

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