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American Horror Story: Roanoke

Das Horrorgenre hat ein grundliegendes Problem. In dem letzten Jahrzehnt wurden alle nur erdenklichen Ideen, Zuschauer Angst zu bereiten, schon zu Genüge ausprobiert und es gibt nur eine begrenzte Anzahl an furchterregenden Einfällen. Wie soll also die sechste Staffel von „American Horror Story“ überraschen und schockieren können, wenn die Vorgänger ihrem Publikum das Fürchten gelehrt, es gleichzeitig aber auch abgehärtet hat? Einige konkrete Gründe möchte ich in der folgenden Rezension unterbreiten.

American Horror Story: Roanoke

USA 2016, Staffel 6, ca. 400 Min, ab 18

Horror | Thriller | Drama | Mystery | Fantasy

Regie: Ryan Murphy

Bradley Buecker

Michael Goi

Main-Cast: Kathy Bates

Sarah Paulson

Cuba Gooding Jr.

Lily Rabe

André Holland

Denis O’Hare

Wes Bentley

Evan Peters

Cheyenne Jackson

Angela Bassett

Drehbuch: Ryan Murphy

Brad Falchuk

James Wong

Jennifer Salt

Tim Minear

Verleih: 20th Century Fox Home Entertainment

(ET: 13.10.2016)

Format: DVD, Blu-ray

Altersfreigabe: ab 18

Inhalt:

Der Pharmavertreter Matt und die Yogalehrerin Shelby ziehen nach einem traumatisierenden Vorfall in L.A. nach North Carolina aufs Land. Doch das entpuppt sich als Fehler, als Shelby Zeugin eines obskuren Menschenopferrituals mitten im Wald wird.

Rezension:

Mich fasziniert an „American Horror Story“ seine Vielschichtigkeit. In jeder Staffel wird dem Zuschauer ein neues Szenario geboten, welches ganz unterschiedliche Formen des Horrors hervorruft, gleichzeitig aber kommt die gewohnt düstere Atmosphäre, welche als Markenzeichen der Serie agiert, auf. Auch „Roanoke“ hat eine neue Thematik, ja gar einen neuen Stil aufzuweisen, und trotz ihres eigenen Charakters beruft sich die Staffel auf die fest geltenden Werte des Epos.

Vorliegende Geschichte wird in dem sogenannten „Mockumentary“-Stil erzählt. Dieses Wort setzt sich aus dem englischen Verb ‚to mock‘, was so viel wie ‚verspotten‘ meint, und dem Begriff ‚Dokumentation‘. Man versteht darunter einen fiktionalen Dokumentarfilm, der sein gesamtes Genre parodiert. Diese Nuance bringt neuen Wind in „Roanoke“. Die Staffel entfaltet eine weitreichende und wendungsreiche Erzählung, indem sie komplexe Metaebenen aufbaut und somit auf verschiedensten Ebenen begeistern kann. Hier wird oft mehrfach um die Ecke gedacht, was mir eine ungeheure Freude bereitet hat. Nach und nach entrollt sich aus der Staffel, neben all seinen mysteriösen und brutalen Szenen, die auch hier wieder nicht zu kurz kommen, eine gelungene Mediensatire, die wichtige gesellschaftliche Thematiken anspricht, wenn auch teilweise etwas überspitzt.

Das Setting kann in „Roanoke“ absolut überzeugen. Man merkt, wie viel Potenzial in diesem hübschen Waldhaus steckt, aber gleichzeitig kann man auch den Schrecken und die Furcht, die über dem Ort haust, spüren. Handwerklich unterscheidet sich die sechste Staffel kaum von seinen Vorgängern, indem sie von Spezialeffekten über Kameraführungen bis hin zu Kostümdesign vieles richtig macht. Auch das große Schauspielerensemble, welches dem Zuschauer weitgehend durch vorangegangene Staffeln bekannt ist, kann auch hier wieder überzeugen, indem es diese Tortur des Grauens über sich entgehen lässt.

Wenn man mich fragt, welche Aspekte mich an der Staffel vielleicht nicht so überzeugen können, dann ist hier die fehlende Härte anzumerken. Ich mag erbarmungslos klingen, aber „American Horror Story“ verkauft sich eben durch ihre schiere Brutalität und den Grauen. Weshalb man hier die Kamera nicht konsequent auf etwaig blutige Sequenzen drauf halten kann, bleibt mir ein Rätsel. Hier hätte ich mir ein wenig mehr Konsequenz gewünscht. Darüber hinaus haben sich leider auch in „Roanoke“ einige Logiklöcher eingeschlichen. Um ein konkretes Beispiel zu nennen, erschließt sich mir der Sinn der Rolle Scáthach (verkörpert von Lady Gaga) nach wie vor nicht, da sie einige Screentime bekommt, obwohl sie der gesamten Rahmenhandlung nichts Essenzielles hinzuzufügen hat.

Nur Gutes lässt sich über die Figurenausarbeitung berichten. Vor allem die Metzgerin (grandios gespielt von Kathy Bates) macht eine spannende Entwicklung durch und fügt sich in die Mediensatire mit ein. Die zehn Folgen sind dermaßen kurzweilig, dass sie das Publikum zum Binge-Watching einladen und für schaurige und intensive Unterhaltung sorgen.

Fazit und Wertung:

„American Horror Story: Roanoke“ ist eine wendungsreiche Erzählung, welche mehrere Ebenen entfaltet und mit einem komplett neuen Stil begeistern kann. Wesentliche satirische Elemente bringen hier wichtige gesellschaftliche Werte mit ein.

Ich vergebe hierfür gerne fünf von fünf möglichen Sternen.

Genrewertung: 9 von 10 Punkten

Gesamtwertung: 9 von 10 Punkten

Hinweis: Die Rechte an den verwendeten Bildern liegen bei 20th Century Fox Home Entertainment.

#Horror #Thriller #Drama #Mystery #Fantasy

Johannes Streb

Die Begeisterung für die Medienwelt begeistert mich schon seit meiner Kindheit: immer die Nase in einem Buch, einen Kopfhörer im Ohr, die Finger auf den Tasten. Seit mehreren Jahren nun führe ich den Blog "Der Medienblogger", auf dem ich bereits über 300 Rezensionen zu Buch, Film und Serie veröffentlicht habe. Dieses Jahr startete ich mit einer Schweizer Bloggerin den Podcast "findichauch." als feuilletonistischen Dialog über zeitgenössische Literatur. Zudem spiele ich leidenschaftlich Theater und bin großer Fan von Lady Gaga und dem Eurovision Song Contest.

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